Marceline Loridan-Ivens

Und du bist nicht zurückgekommen

Cover: Und du bist nicht zurückgekommen
Insel Verlag, Berlin 2015
ISBN 9783458176602
Gebunden, 111 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Mit Judith Perrignon. Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer. Marceline ist fünfzehn, als sie zusammen mit ihrem Vater ins Lager kommt. Sie nach Birkenau, er nach Auschwitz. Sie überlebt, er nicht. Siebzig Jahre später schreibt sie ihm einen Brief, den er niemals lesen wird. Einen Brief, in dem sie das Unaussprechliche zu sagen versucht: Nur drei Kilometer sind sie voneinander entfernt, zwischen ihnen die Gaskammern, der Geruch von brennendem Fleisch, der Hass, die Unausweichlichkeit der eigenen Verrohung, die ständige Ungewissheit, was geschieht mit dem anderen? Einmal gelingt es dem Vater, ihr eine kleine Botschaft auf einem Zettel zu übermitteln. Aber sie vergisst die Worte sofort - und wird ein Leben lang versuchen, die zerbrochene Erinnerung wieder zusammenzufügen.
Marceline Loridan-Ivens schreibt über diese Ereignisse und über ihre unmögliche Heimkehr, sie schreibt über ihr Leben nach dem Tod, das gebrochene Weiterleben in einer Welt, die nichts von dem hören will, was sie erfahren und erlitten hat. Und über das allmähliche Gewahrwerden, dass die Familie ihren Vater dringender gebraucht hätte als sie: "Mein Leben gegen deines."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.04.2016

Ein spezifisches Eigengewicht attestiert Rezensent Matthias Hennig dieser "Fingerübung" der Auschwitz-Überlebenden Marceline Loridan-Ivens, die die Autorin und Filmemacherin zusammen mit Judith Perrignon verfasst hat. Als dem Vater gewidmete Totenbeschwörung bezeichnet er das Buch auch, das ihm vorführt, wie stark die Bande ins Vergangene sein können und wie wichtig für die Zukunft eines jungen Menschen. Indem die Autorin über die letzte Begegnung mit dem Vater in Auschwitz meditiert und vor dem Antisemitismus der Gegenwart warnt, entgeht sie laut Hennig einem eskapistischen Ton und beweist einen wachen, aber illusionslosen Blick, der dem Rezensenten den Atem nimmt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.09.2015

Rezensent Alex Rühle zeichnet die Lebensgeschichte von Marceline Loridan-Ivens nach, die als jüdisches Mädchen das Konzentrationslager Birkenau überlebte, während ihr Vater in Auschwitz umgebracht wurde. Später feierte die Französin als Dokumentarfilmregisseurin Erfolge, mit 87 Jahren hat sie nun einen Brief an ihren ermordeten Vater geschrieben - für Rühle den "Brief ihres Lebens". Bei seiner Veröffentlichung in Frankreich habe das Buch "Schockwellen" ausgelöst, erinnert sich der Rezensent. Grund dafür sei die große Präzision von Loridans Erinnerungen gewesen und der Schmerz, der aus ihnen spreche. Einige dieser Begebenheiten im Lager erzählt Rühle nach, genauso wie er von den Geschwistern der Autorin berichtet, die die Schatten der Vergangenheit nicht ertragen und sich später umgebracht hätten. Am Unheimlichsten an dem "kristallinen Text, dem Schweigen abgerungen", findet der Rezensent aber, dass sich Loridan-Ivens heute wieder bedroht fühle durch antisemitische Tendenzen in ihrer Heimat Frankreich.
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