Aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen. Mitten in der Arbeit an einem umfangreichen Roman fällt dem Autor Marcel Möring eines Morgens ein Satz ein, der ihn nicht mehr loslässt. Er unterbricht sein Projekt und wendet sich ganz diesem Satz zu. Dieser Eingebung verdanken wir eine wunderbare Novelle über einen zwölfjährigen Jungen, der seine Eltern, Modellflugzeuge und das Kochen liebt. Und so sitzen sie zu dritt einträchtig in der Küche und bauen für kleines Geld Modellflugzeuge zusammen. Denn für eine richtige Anstellung fehlt seinen Eltern die Bereitschaft, sich anzupassen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.07.2016
Für Nico Bleutge ist der niederländische Autor Marcel Möring ein Meister "der Andeutung und des sinnlichen Details", worin für den Kritiker vielleicht sogar der Schlüssel zu dessen sensationellem Erfolg in seiner Heimat liegt. In "Modellfliegen" kann man sich über weite Strecken von dieser Meisterschaft überzeugen: Darin legt der Schriftsteller viele flüchtige Spuren und Eindrücke aus, die dennoch auf eine historische Darstellung abzielen. Im Bild einer doppelt belichteten Fotografie findet der Kritiker denn auch eine treffende Allegorie auf Mörings literarische Strategie, die einander überlagernde "Erinnerungsschichten" skizziert: Hinter der Schilderung einer Kindheit liegt die Erinnerung an die Schoah, vor der die Eltern geflohen sind. Die drohenden Kitschfallen umgeht der Autor mit einigem literarischen, von der Übersetzung behutsam vermitteltem Geschick, freut sich der Rezensent, der sich allerdings umso mehr darüber ärgern muss, dass der Autor sein kunstvoll errichtetes System der Andeutungen und Verwehungen am Ende durch eine zusätzliche, allzu gewaltsam in den Roman geholte Zeitebene ans Konkrete preisgibt.
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