Herausgegeben und mit einem Nachwort von Krista Maria Schädlich. 1998 und 1999 sind Jahre des Neuanfangs. Manfred Krug kündigt den Rückzug von Tatort-Kommissar Stoever an. Er distanziert sich von der Mutter seiner kleinen Tochter. Sein Vater stirbt, er wird Waise. In intensiven Träumen begegnet er seinem toten Freund Jurek Becker und seinen eigenen Ängsten. Auf dem Balkan tobt Krieg, und in Russland übergibt Jelzin die Macht an ein "schmales Jüngelchen" namens Wladimir Putin. Im zweiten Band seines Tagebuchwerks schildert der große Schauspieler, Sänger und Autor zwei ereignisreiche Jahre. Wir begegnen einem Mann, der zunehmend Abschied nehmen muss.
Rezensent Jörg Magenau leidet mit Manfred Krug, wenn der Autor Leibes- und Weltschmerz in Worte fasst. Krugs Eitelkeit, wenn er seine Bekanntheit konstatiert, findet Magenau verständlich und voller Selbstironie. Dass sich hinter dem "groben Klotz" ein allzu sensibler Mensch verbarg, erkennt Magenau mit Verblüffung. Das Buch ist für ihn Arbeitsjournal, Familiebuch (über eine unglückliche menage a trois) und Zeitmitschrift in einem. Vor allem aber ist es "lebensprall", findet Magenau.
Herrlich facettenreich findet Rezensent Alexander Cammann die Tagebücher des Schauspielers Manfred Krug, von denen jetzt der zweite Band erscheint. Nicht nur Privates rund um gesundheitliche Probleme und ein uneheliches Kind findet Eingang, wie Cammann schildert, sondern auch politische Entwicklungen, die Machtübernahme Putins, der SPD-Parteitag 1998 und alles, was Krug so in seiner schauspielerischen Arbeit erlebt. Das ist laut Cammann verdammt präzise geschrieben und oft einfach ziemlich lustig, sodass er sich wünscht, Krug hätte sein schriftstellerisches Talent auch mal in Romanform ausprobiert. So bleibt dem Kritiker nur, die Tagebücher nachdrücklich zur Lektüre zu empfehlen.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 26.01.2023
Viel erzählt Rezensentin Maike Albath zum Inhalt dieses zweiten Bandes der Tagebücher vom großen Schauspieler Manfred Krug: Geschichten aus dem Privatleben, dem Spagat zwischen Kernfamilie und Affäre mit Kind und von der Arbeit, vom Filmset und von Schwierigkeiten mit dem Textlernen - aber auch mit dem eigenen, älter werdenden Körper. Albath gefällt diese Mischung aus Privatem, Politischem und Arbeitsberichten, auch wenn weniger Aufsehenerregendes vorkommt als im ersten Teil. "Krugisch schlitzohrig", nennt sie die fast täglichen, oft auch selbstironischen Eintragungen des Schauspielers in sein Tagebuch und empfiehlt die Lektüre.
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