Das 19. Jahrhundert war eine Phase rapide fortschreitender Modernisierung. Mit dieser Modernisierung ging ein Säkularisierungsprozess einher, dessen Ausmaß und Tragweite nach jeweiligem Blickwinkel unterschiedlich bewertet werden. In dem Band wird der Zusammenhang zwischen der Säkularisierung und unterschiedlichen Manifestationen von Religion und Religiosität im 19. Jahrhundert untersucht. Es wird nach dem Einfluss und der Bedeutung des Religiösen im 19. Jahrhundert, nach der bleibenden Prägekraft religiöser Deutungssysteme und nach synkretistischen Religionsformen gefragt. Die Instrumentalisierung des Religiösen in Politik und Gesellschaft wird ebenso thematisiert wie der Legitimationsverlust tradierter Religion und deren Verflüchtigungzur Kultur. Es geht um Transferpotentiale vom religiösen in den politischen, sozialen und kulturellen Bereich und um die Frage, auf welche Weise überkommene Traditionsbestände in erneuerter Form konserviert wurden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.06.2004
Gemischte Gefühle hat der Band "Religion zwischen Kunst und Politik" bei Wolfgang Schieder ausgelöst. Zwar sei uneingeschränkt zu begrüßen, dass dem Max Weberschen Mythos von der "Entzauberung der Welt" die nie schwindenden Tendenzen zur Stärkung der Religiosität im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts entgegengehalten werden. Hier leistet der Band nach Schieders Ansicht Nützliches, wenn er etwa die Phasen der religiösen Revitalisierung ausleuchtet. Doch bemängelt der Rezensent an dem von Manfred Jakubowski-Tiessen herausgegebenen Band vor allem die Unschärfe jener Beiträge, die sich mit dem Thema "Kunstreligion" befassen. Es werde "leider nicht reflektiert, ob Kunstreligionen überhaupt etwas mit Religion zu tun haben".
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