Charlatan und seine Zeit - ein früher, bisher unbekannter Roman von Manes Sperber (1905 - 1984) erblickt in der "Bibliothek Gutenberg" das Licht der Welt. Der in Galizien geborene, am Chassidismus, an Nietzsche, Dostojewski, den russischen Anarchisten und an Alfred Adlers Individualpsychologie geschulte Autor erzählt in diesem 1924 entstandenen Werk das Leben von Marcel Haran, eines Bohemiens in Wien im Spannungsgeflecht konkurrierender Ideen und Strömungen im dunklen Glanz der Zeit um den Ersten Weltkrieg. Von Unrast getrieben begibt sich Haran bald nach Russland, um im aufkommenden Kommunismus psychotherapeutisch tätig zu werden, bis er schließlich entmutigt ins vertraute Milieu seiner Heimatstadt zurückkehrt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.03.2005
Erzählerisch wie sprachlich hat dieser 1924 geschriebene Roman des damals 19-jährigen Manes Sperber noch große Schwächen, meint Franz Haas, doch gewährt er bereits Einblick in den Scharfsinn des jungen Autors und die "ideologischen Qualen", die er in seinem späteren Leben noch durchleiden sollte. Sperber selbst hatte diesen "Jugendschwulst" nicht veröffentlicht, und auch der Rezensent hält den Text für eine "ziemlich verkrampfte Sache", die darüber hinaus noch mit einem Übermaß an Pathos angereichert sei. Dennoch lasse sich schon hier das gespaltene Verhältnis Sperbers zum Kommunismus herauslesen, dem er zum einen durchaus zugetan ist, zum anderen aber auch mit Skepsis gegenüber steht. Das Fazit des Rezensenten: Ein literarisches Meisterwerk sollte der Leser nicht erwarten, mit überaus interessanten Einblicken in das Frühwerk eines zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Autors dagegen kann er rechnen.
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