Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.10.2005
Voller Bewunderung äußert sich Sibylle Cramer über diese Erzählung, in der Seiler unter Beweis stellt, dass er in Prosa eine ebensolche poetische Intensität zu entfalten vermag wie in seinen Gedichten. Ganz nüchtern ist sie geschrieben, die kurze Geschichte eines fünfjährigen Jungen, der eigentlich nichts macht, als nach seinen Spielgefährten zu rufen. Und doch, obwohl die Sprache "gegen Momente des Wunderbaren vollkommen abgedichtet" ist, vermittelt der Text die frühe Erfahrung einer Epiphanie: Der Augenblick verdoppelt sich, der Junge entdeckt seine "innere" und seine "äußere" Stimme, entdeckt sich selbst als in sich selbst beheimatetes und nach außen agierendes Wesen. "Taghelle Mystik", ruft Cramer und vergleicht "Die Anrufung" mit Musils Erzählung "Die Amsel".
Anne Carson: Rot Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt… Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Anne Carson: Der bittersüße Eros Aus dem nordamerikanischen Englisch von Christina Dongowski. Es war eine Dichterin, Sappho, die dem Eros das paradoxe Attribut "bittersüß" gab. Dies geschah in der Zeit,…