Luise Schorn-Schütte

Die Teilung der Macht

Eine Geschichte der Frühen Neuzeit
Cover: Die Teilung der Macht
C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN 9783406843150
Gebunden, 384 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Die Zeit zwischen 1517 und 1789 ist eine Schlüsselepoche Europas, deren Erschütterungen auch global spürbar waren. In ihrem neuen Buch erzählt Luise Schorn-Schütte die an Umbrüchen reiche Epoche der Frühe Neuzeit neu und lässt die Vielfalt der Wahrnehmungen durch die Augen ihrer Protagonist:innen lebendig werden: vom polnischen Reformator Jan Laski über den Politikberater Kardinal Khlesl bis zu ersten First Lady der USA, Martha Washington, und zu Königin Luise von Preußen. Ist die Darstellung von Geschichte stets ein Nachweis des Moderner-Werdens? Für die Geschichte der Frühen Neuzeit galt diese Annahme seit Jahrzehnten. In diesem Buch geht Luise Schorn-Schütte von einem anderen Ansatz aus: Wie sah der Blick der Zeitgenossen auf den Wandel der Ordnungen aus? Wie passen unter anderem adelige und bäuerliche Traditionen mit kaiserlichen und/oder königlichen Herrschaftsansprüchen zusammen? War der Anspruch auf ständische "libertet", auf Abwehrrechte gegen monarchische Gewalt mehr als ein überflüssiges Relikt, stattdessen vielmehr der Ansatz für eine parallel laufende, doppelte Frühneuzeit? Die Autorin eröffnet die Autorin hier ein großes historisches Panorama: von der Reformation, dem Dreißigjährigen Krieg und dem Westfälischen Frieden über die Versuche absoluter Herrschaft, den Siebenjährigen Krieg als ersten Weltkrieg und die Kolonialbildung in Nordamerika einschließlich der Unabhängigkeitserklärung von einem tyrannischen König bis hin zur Maiverfassung Polens und der Französischen Revolution mit der Erklärung der Menschenrechte.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 13.07.2026

Rezensent Hans von Trotha freut sich über einen kenntnisreichen Überblick über die frühe Neuzeit, der nicht nur von einer echten Expertin, Luise Schorn-Schütte, kommt, sondern auch einen neuen, neugierigen Blick auf ein gut erforschtes Thema ermöglicht. Während ansonsten oft nur die europäische Entwicklung im Zeitraum von 1517 bis 1789 im Fokus steht, öffnet die emeritierte Historikerin die Perspektive: Sie fragt sich, so Trotha, nicht nur, was Europa zu dieser Zeit überhaupt genau ist, sondern auch, wie sich Kolonialismus in staatlichen Strukturen niederschlägt, und dass der Begriff des "absoluten Staates" erst in den Jahrzehnten nach dieser Epoche aufkam. Dass die Autorin viel bestehende Forschung zitiert und auch Komplexes nebeneinanderstellt, erzeugt für ihn ein "ungewohnt uneindeutiges Bild", das einen sehr lebensnahen und überzeugenden Eindruck schafft und den Kritiker mit ihrer Neugier und Begeisterung für Diskussionen ansteckt. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.05.2026

Beeindruckt liest Rezensent Thomas Kaufmann Luise Schorn-Schüttes Geschichte des frühneuzeitlichen Europas. Die Historikerin zeigt darin auf, dass die Zeit zwischen 1500 und 1800 in vieler Hinsicht unserer Gegenwart ähnlicher ist als das 19. und frühe 20. Jahrhundert. Und zwar, weil damals nicht Nationalismus und Kolonialismus den Kontinent prägten, sondern eine Situation, die, wie der Titel des Buches schon sagt, auf der Teilung von Macht, zum Beispiel in Form von Regionalismus, beruht. Gut gefällt Kaufmann unter anderem, dass Schorn-Schütte nicht allzu kulturalistisch argumentiert, sondern das Primat der Politik betont. Der Aufbau des Buches sagt ihm ebenfalls zu sowie er die Thesen Schorn-Schüttes unter anderem zum Verhältnis von Monarchie und Aristokratie und zur Rolle der Konfessionskämpfe durchaus pertinent findet. Diese und andere Themen werden hier vorbildlich dargestellt, so der Rezensent.