Ludwig Börne

Ludwig Börne: Berliner Briefe

Philo Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783825701550
Broschiert, 136 Seiten, 15,24 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Willi Jasper. Börnes Berliner Briefe an Jeanette Wohl sind Dokumente des Privaten und der Gefühle Börnes. Hier geht es nicht um politische Grundsätze, sondern er versucht, sein Leben auf neue Weise zu fassen. 1828, als sich Börne von Mitte Februar bis Ende April in Berlin aufhält, scheinen sowohl seine gesellschaftliche Anerkennung als auch die Heirat mit Jeanette Wohl in greifbarer Nähe. Zweimal die Woche macht er der Freundin "Meldung" aus Berlin, erstattet getreulich Bericht über alle Vorkommnisse und Begegnungen. Trotz seiner anfänglichen Kritik an den "Berliner Kreisen" beeindruckt Börne schnell das großstädtische und liberale Flair Berlins, mit dem sich das enge und provinzielle Frankfurt nicht vergleichen konnte. Die Briefe zeigen auch Börnes schriftstellerisches Prinzip: Er besuchte eine Literatenversammlung und macht daraus einen Kommentar über die Berliner Kulturszene; mit Leichtigkeit entwickelt er aus scheinbar Unwesentlichem Grundsätzliches.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.07.2000

Der Schriftsteller Ludwig Börne verbracht im Jahre 1828 gut zwei Monate in Berlin und aus dieser Zeit stammen die insgesamt 30 Briefe von Börne an seine Freundin Jeanette Wohl, die nach Meinung der Rezensenten mit dem Kürzel "upj" dessen ambivalente Gefühle der Großstadt gegenüber zum Ausdruck brachten: "er genießt die neuen Bekanntschaften, das Berliner Salonleben, und doch zeigen ihn diese `Berliner Briefe` als innerlich zerrissenen, verletzlichen Menschen". Die von Willi Jasper ausgesuchten Briefe lobt der Rezensent für die Frische des gedanklichen Austausches, der "eine geistreiche, von Witz und Herzenswärme gezeichnete Freundschaft" zeigt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.05.2000

Agnes Hüfners Begeisterung hält sich in Grenzen: Denn nicht nur, dass die "Berliner Briefe" bei näherer Betrachtung diese Bezeichnung kaum rechtfertigen. Vielmehr scheint die Rezensentin zu den diskreteren Naturen zu gehören, die beim Lesen fremder Post, besonders wenn sie recht intimer Art ist, nur verhaltenes Vergnügen verspüren. "Ein wenig peinlich" berührt zeigt sich Hüfner von Börnes Schilderungen an seine Frankfurter Freundin Jeanette Wohl. Darüber hinaus sei der einseitige Briefwechsel (Wohls Antworten sind nicht erhalten) "gesellschaftshistorisch ohne Belang". Im Vordergrund stehen nach Hüfners Diagnose Klatsch und Tratsch, Belanglosigkeiten wie der Inhalt von Speisekarten etc., aber auch Börnes Phlegma, durch das er immer wieder wichtige Begegnungen (z. B. mit Hegel) "verpasst". Alles in allem sind die Briefe "vor allem (...) traurig", resümiert Hüfner.
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