Lucie Rico

GPS

Roman
Cover: GPS
Matthes und Seitz, Berlin 2026
ISBN 9783751810593
Gebunden, 168 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Milena Adam. Ariane ist eine junge Journalistin, die sich auf lokale Kriminalfälle spezialisiert hat. Seit zwei Jahren arbeitslos, lebt sie zurückgezogen in ihrer Wohnung und meidet die Außenwelt, bis sie eines Tages von Sandrine, ihrer besten Freundin von früher, zu deren Verlobungsfeier im Stadtwald eingeladen wird. Damit sie sich nicht im weiten Grün verliert, teilt Sandrine ihren GPS-Standort mit ihr. Ariane bringt den Abend hinter sich, doch am nächsten Morgen ist Sandrine spurlos verschwunden. Alles, was von ihr bleibt, ist der rote Punkt im GPS, der sich immer weiter vorwärts bewegt … und den Ariane nicht mehr aus den Augen lässt. Die Ansammlung von Pixeln wird für sie zu einer Obsession, zu einem Strudel, der alles in sich aufsaugt. Bis der Punkt plötzlich stehen bleibt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 26.03.2026

Ein "smartphonekombatibles Buch", befindet Rezensentin Katharina Döbler zu Lucie Ricos neuem Roman: Darin verlässt die arbeitlose, unter einer Angststörung leidende Journalistin Ariane wider ihre Gewohnheiten das Haus, um zur Verlobungsfeier ihrer besten Freundin Sandrine zu gehen. Die hat per Handy ihren Standort übermittelt, der sich nach der Feier nicht mehr bewegt: Sandrine ist nicht mehr zu erreichen, schließlich wird eine verkohlte Leiche gefunden, resümiert Döbler die Handlung, die für sie existenzielle Probleme der digitalen Welt aufgreift. Seltsamerweise bewegt sich der Punkt irgendwann doch wieder, Ariane kann ihre Augen kaum noch abwenden, zumal er sich an lauter Punkte bewegt, die in ihrer Vergangenheit wichtig waren, erfahren wir. Die Rezensentin stört dabei allerdings, dass Ariane kaum eigene Konturen hat und zur Trägerin von Thesen der Autorin wird. Plausibel scheint ihr die Handlung eher nicht, sie versteht das Buch eher als "satirisch-bösen Debattenbeitrag".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 14.03.2026

Spannend, aber letztlich unausgewogen, findet Rezensentin Katharina Granzin Lucie Ricos Roman "GPS". Es geht um die psychisch labile Protagonistin Ariane. In der Du-Form werde erzählt, wie sie einem roten Standortpunkt auf dem Handy folgt, der angeblich ihre verschwundene Freundin Sandrine zeigt. Dabei verschwimmen für Ariane Realität, Virtualität und Wahn, was für Granzin eine dichte, fast psychothrillerhafte Atmosphäre erzeugt. Kritisch vermerkt sie, dass der Roman zwar Sandrines Familiengeschichte ausführlich entfaltet, aber Arianes eigene Vorgeschichte und der Ursprung ihres extremen seelischen Zustands seltsam vage bleiben. So bleibt für die Rezensentin am Ende unerklärt, wie und warum Ariane in diesen Ausnahmezustand geraten konnte.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 07.03.2026

Lucie Ricos neuer Roman ist für die Rezensentin Gisa Funck eine ziemlich überzeugende "digital hochgetunte Schauergeschichte": Die Protagonistin Ariane wird von ihrer besten Freundin Sandrine zu ihrer Verlobungsfeier eingeladen, doch danach ist Sandrine verschwunden und alles, was von ihr bleibt, ist das GPS-Signal ihres Handys, dem Ariane nun hinterherirrt. Als kurz darauf eine verkohlte Frauenleiche gefunden wird, scheint es sich um Sandrine zu handeln, aber das GPS-Signal leuchtet weiter - Funk liest in Arianes Obsession eine gelungene Auseinandersetzung mit den Abgründen der menschlichen Psyche im Internet-Zeitalter, deren psychotischer Charakter sich noch dadurch verstärkt, dass sie in Du-Form geschrieben ist. Die Kritikerin lässt sich gerne in die verdrehte Welt der Protagonistin hineinziehen und liest diesen originellen, spannenden Roman über ein "GPS-Gespenst" auch als Kritik an Internet- und KI-Kultur.