Alles beginnt mit einer Kopfnuss. Während Deutschland bei der WM 2006 von seinem Sommermärchen träumt, findet der vierzehnjährige Vincent in denen, die ihn verprügelt haben, neue Freunde. Bald schon nennt er sie Brüder, raucht mit ihnen Shisha, hängt auf der Straße ab - und hockt doch jeden Abend wieder im Einfamilienhaus seiner Eltern. Als es ernst wird, muss er feststellen, dass bisher alles nur ein Spiel war. Zumindest für ihn. Während er sich Bräunungscreme ins Gesicht schmiert, fällt Ali nach einem Sprung aus dem Fenster ins Koma, Tarek ist nicht mehr zu erreichen - und eine Realität schlägt zu, in der es Probleme gibt, die Vincent sich bisher nicht vorstellen konnte.
Für Rezensentin Antje Allroggen klingt Luca Kiesers Jugendroman wie gerappt. Die Geschichte einer Freundschaft zwischen drei Jugendlichen, zwei davon mit Migrationshintergrund, durch die das Leben von Vincent aus den Fugen gerät, erzählt der Autor laut Allroggen als "Tiefenbohrung" in bürgerliche deutsche Familienverhältnisse. Der Sound gefällt Allroggen gut - schwermütig und humorvoll zugleich. Der Text spielt für sie einer der Liga mit Herrndorfs "Tschick" und Lobrechts "Sonne und Beton".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.11.2024
Rezensentin Kathleen Hildebrand muss erst mal schlucken, denn Luca Kiesers Roman beginnt mit einer Brownfacing-Szene. Darf man das? Wenn man das Ganze derart cartoonesk angeht wie Kieser, schon, findet Hildebrand. Der Roman erzählt die Geschichte einiger Freunde im Tübingen des Sommers 2006 - Sommermärchen also. Der Erzähler ist weiß, privilegiert, seine Freunde Ali und Tarek eher nicht. Es geht um Rassismus, Jungmännlichkeit, Drogenkonsum und Kleinkriminalität. Wie der junge Autor das Thema angeht, reflektiert und ohne falsche Sprechverbote, findet die Rezensentin lesenswert.
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