Louis-Ferdinand Celine

Briefe an Freundinnen

Cover: Briefe an Freundinnen
Merlin Verlag, Gifkendorf 2007
ISBN 9783875362565
Kartoniert, 216 Seiten, 16,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Colin W. Nettelbeck. Aus dem Französischen von Katarina Hock. Zum ersten Mal liegen die Briefe des umstrittenen Autors an seine Freundinnen und Geliebten auf Deutsch vor. Sie zeigen eine zerrissene Persönlichkeit und dokumentieren den Wandel des Louis-Ferdinand Destouche - wie er mit bürgerlichem Namen hieß - zum Schriftsteller Louis-Ferdinand Celine. Celine schreibt an ganz unterschiedliche Frauen: da ist Erika Irrgang, eine angehende deutsche Journalistin, N..., eine der linksintellektuellen Szene Wiens angehörende Jüdin, die belgische Autorin Evelyn Pollet, die dänische Tänzerin Karen Marie Jensen und die französische Pianistin Lucienne Delforge. Die Briefe geben einen Einblick in das Innenleben eines Dichters, der nach den Erfahrungen im 1. Weltkrieg und in den Kolonien in Afrika im Menschen wenig mehr als einen verachtungswürdigen Barbaren sah. Zugleich erkennt der Leser aber auch einen anderen Celine, der sich fürsorglich um seine Freundinnen kümmert und Hilfe und Unterstützung anbietet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.2007

"Ein Buch voller Facetten" will Rezensent Joseph Hanimann hier gelesen haben, aber er zitiert ein derartiges Gestrüpp aus antiamerikanischen Phrasen Celines und selbstmitleidigen Tiraden, nachdem man ihn als Kollaborateur eingesperrt hat, dass man sehnsüchtig auf diese Facetten wartet. Immerhin bringt Hanimann auch ein Zitat, welches belegt, dass Celine durchaus wusste, was er mit seinen antisemitischen Hetzschriften anrichtete. Celine hatte, so entnimmt man es Hanimanns Kritik, offensichtlich mehrere Freundinnen gleichzeitig, mit denen er auch ins Bett ging und denen er freizügige Briefe schrieb. Mag ja sein, dass die Facetten in dem Buch tatsächlich existieren. Um es herauszufinden, muss man es wohl selber lesen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.12.2007

Für den Kenner kaum Neues, resümiert Frank-Rutger Hausmann seine Ausführungen zu Celines "Briefen an Freundinnen" aus den Jahren 1932 bis 1948. Dem Verlag dankt er dennoch ausdrücklich für das Bemühen um den entlegeneren Teil des Werkes eines Klassikers. Schließlich, so gibt Hausmann zu bedenken, zeigt sich der Autor auch hier in seiner Eigenwilligkeit. Kritisch steht Hausmann der unzureichenden Überarbeitung der teilweise zugrundeliegenden Briefausgabe von Colin. W. Nettelbeck gegenüber. Die Einbeziehung neuerer Forschungsergebnisse vermisst er ebenso wie eine genaue Lektorierung. Dass die Lektüre der um verschiedenste Themen (Antisemitismus, Psychoanalyse, Schriftstellerei) kreisenden Briefe empfindlich in die Privatsphäre Celines vorstößt, da es sich im Wesentlichen doch um Liebesbriefe handelt, wie Hausmann erklärt, sollte uns nicht abschrecken: "Dafür sind die Briefe literarisch zu bedeutend".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.12.2007

Rezensent Jacques Muller findet diese Liebesbriefe des bekennenden Antisemiten Louis-Ferdinand Celine "aufschlussreich", auch wenn sie manchmal mehr als bizarr und irritierend wirken und gewiss "kein besseres Licht" auf ihren Verfasser werfen. Bisweilen kommen sie ihm vor wie "Slapstick, ein gefährlicher Slapstick freilich". Interessant findet er jedoch, wie "Hygienefimmel, ein krauser Faschismus und Libertinage" bei diesem "genialischen" Autor zusammengehen und wie die Briefe an ganz unterschiedliche Frauen immer wieder einem Schema folgen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 27.10.2007

Rezensent Thomas Laux begrüsst diese Briefedition sehr, obwohl sie aus seiner Sicht "rein literarisch gesehen" grundsätzlich nichts Spektakuläres bietet, da sich ihr Wert für ihn lediglich in einem biografischen Kontext bemessen lässt. Hier allerdings notiert er dankbar, dass das "Klischee des Misanthropen", dass man Celine mitunter anhängt, nicht sehr weit trägt. Die Briefe sind an sechs verschiedene Freundinnen adressiert und stammen aus der für Celine "hochbrisanten" Zeit eines "persönlichen Umbruchs" und des sich ausbreitenden Faschismus? in Europa. Beides laufe auf der Reflexionsebene der Briefe mit, und werde immer wieder mal auch direkt erwähnt - je nach Intensitätsgrad der Beziehung. Wiederkehrendes Thema sind auch Celines notorische Geldprobleme. Interessant findet der Rezensent außerdem, wie sich an den Beziehungen zu den Frauen Celines politische Entwicklung durch die 1930er Jahre nachvollziehen lässt, an erster Stelle sein sich verstärkender Antisemitismus. Nicht immer nimmt der Rezensent das allerdings ernst, manchmal kommen ihm die diesbezüglichen Ausfälle einfach nur "kurios" vor.