Mit 42 Abbildungen. Lothar Machtan erzählt die Lebensgeschichte des Kaisersohns Prinz August Wilhelm von Preußen und untersucht am Beispiel dieser Biografie, wie sich deutscher Hochadel vor den Karren der Nationalsozialisten spannte. Deutsche Geschichte, vom Kaiserreich bis zum Untergang des Dritten Reiches, elegant und unterhaltsam geschildert anhand einer tragikomischen Vita, die überraschende Blicke hinter die Kulissen der Hitler'schen Machtpolitik gewährt.
Mit diesem Buch habe sich Lothar Machtan nach seinem eher spekulativen und reißerischen Buch über Hitlers vermeintliche Homosexualität wieder auf die Tugenden des Historikers besonnen, stellt Rezensent Volker Ullrich "angenehm überrascht" fest. Er lobt die Studie über den Hohenzollernprinzen August Wilhelm und dessen Wendung zum Nationalsozialismus als verdienstvolle Aufarbeitung eines bisher vernachlässigten Kapitels in der Geschichte des deutschen Hochadels. Dem intensivem Quellenstudium verdankt das Buch dem Rezensenten zufolge einige interessante Facetten des politischen Charakters und der Handlungen dieser Kaste auf dem Weg in den Faschismus. Hin und wieder findet der Rezensent zwar die politische Bedeutung überschätzt, die Lothar Machtan der Zusammenarbeit zwischen Hitler und Prinz August Wilhelm beimisst. Insgesamt überzeugt ihn das Buch trotzdem, weil es aufzeigt, wie ein "trübes Gemisch" aus monarchistischem, antidemokratischem und antisemitischem Gedankengut die Hohenzollern schließlich mit den Nazis paktieren ließ.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.05.2006
Achtung, Tabubrecher! Rainer Blasius erinnert sich noch gut an den letzten Streich des Historikers Lothar Machtan, bei dem es darum ging, Hitlers homosexuelles Geheimnis zu verwursten. Entsprechend vorsichtig nähert er sich diesem Buch, das den schwulen Prinzen August Wilhelm zum "Kaisersohn bei Hitler" stilisiert. Wenn's denn sein muss, scheint Blasius zu denken, findet aber partout nichts Neues in Machtans Ausführungen, etwa zu Hitlers Ansinnen, sich mit prestigeträchtigen Namen wie eben jenem von August Wilhelm zu umgeben. Dass Machtan die Gelegenheit nutzt, "Hitlers Geheimnis" wieder aufzuwärmen - Blasius nimmt's gelassen. Das Traumpaar "Adi und Auwi" jedoch nimmt er diesem Autor nicht ab.
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