Aus dem Englischen von Barbara Heller. "Der alte Teufel", so nannte meine Großmutter ihren Mann. Für sie gehörten Männer und Frauen zwei unterschiedlichen Rassen an, und jede Vermischung war heller Wahnsinn. Doch auf diese tragische Vermischung hatten sich die Großeltern von Lorna Sage eingelassen, eine Scheidung kam im Wales der 50er Jahre nicht in Frage. Zumal ihr Großvater, ein notorischer Trinker und Frauenheld, als Pfarrer der ländlichen Gemeinde Hanmer vorstand. Der Großmutter blieb also nur die Verachtung für ihren Mann und das Leben mit ihm; parfümierte Seife und Pralinen dienten ihr als Ersatz, und sie verbrachte den größten Teil des Tages im Bett. Nach dem Tod ihres Großvaters und dem Umzug der Familie in ein neues, modernes Gemeindehaus, sollte die 10jährige Lorna erkennen, daß auch die Ehe ihrer Eltern unter keinem guten Stern stand. Doch ihr früher Vorsatz, niemals zu heiraten, fällt sehr bald den Umständen zum Opfer - die Memoiren einer außergewöhnlichen Frau, herzzerreißend, ernüchternd und bitterkomisch zugleich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 16.11.2005
Marco Stahlhut preist leidenschaftlich diese bereits preisgekrönten "außergewöhnlich ansprechenden und interessanten Erinnerungen" der britischen Literaturkritikerin Lorna Sage. Es ist die Geschichte eines Teenagers, der sich mit einer rührenden Naivität - "Ich war überzeugt, dass richtiger Sex eine ekstatische Initiation war..." - ihre Jugend durch eine Schwangerschaft raubt. Und es ist eine Liebeserklärung an die Literatur, die der jungen Frau die Kraft zu einem Studium verleiht, das sie mit Auszeichnung abschließt und damit einer frauenfeindlichen und bigotten Gesellschaft die Stirn bietet. Es "tut nichts zur Sache", staunt der Rezensent, dass man Sage hierzulande nicht kennt. Ihre Autobiographie ist ganz simpel ein "formal bescheidener, glänzend geschriebener Beitrag" zur Literatur unserer Zeit.
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