Warum nur Neuropolitik den gesellschaftlichen Zusammenhalt sichert
Econ Verlag, Berlin 2026
ISBN
9783430212144 Gebunden, 224 Seiten, 23,99
EUR
Klappentext
"Wir brauchen eine neue Vorstellung davon, was es heißt, Mensch zu sein. Wir brauchen ein unideologisches Verständnis unseres Wesens, das bei den Gehirnzellen beginnt und interkulturelle Unterschiede und politische Einstellungen umfasst." Die Welt ist in einem Dauerkrisenzustand. Und die Demokratie scheitert immer häufiger an den Grenzen unseres Gehirns. Die kognitiven Anforderungen von Inklusion, Toleranz und Diversität überfordern uns - unabhängig von der politischen Ausrichtung. Liya Yu verbindet Neurowissenschaft, Politik und ihre persönlichen Erfahrungen aus gespaltenen Gesellschaften. Sie zeigt, wie wir mit einer neuropolitischen Strategie unsere Demokratie wieder stärken, der rechtspopulistischen Dehumanisierung Andersdenkender entgegenwirken und das Versprechen einer gerechten, inklusiven Gesellschaft einlösen können.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2026
Bei Rezensentin Katharina Teutsch gehen die Alarmglocken an: Die Politikwissenschaftlerin Liya Yu führt in ihrem Buch politische Gesinnung auf die Biomasse des Hirns zurück. Wer mehr graue Zellen in einem bestimmten Hirnareal hat, tendiere eher zu reaktionären Haltungen, wer mehr in einem anderen Bereich hat, sei eher links, fasst die Kritikerin zusammen. Entsprechend könne man auch durch gewisse Übungen - etwa: sich einen Obdachlosen als Marathonläufer oder Sohn vorzustellen - das Gehirn in Richtung liberaler Ansichten trainieren, was die Autorin für das deutlich bessere Mittel gegen den Rechtsruck hält als die "Moralisierungen" der Linken. Diese "Neurophilosophie" komme bei Yu ziemlich "breitbeinig" daher, für die Kritikerin ist dies allerdings nur eine arg reduktionistische Sichtweise auf den Menschen und die Gesellschaft, die die Idee der Aufklärung missachtet. Zu hoffen bleibt Teutsch nur, dass auf diesen "flachen Positivismus" kein Techkonzern "aufspringt".
Ist es möglich und sinnvoll, Gehirne auf Liberalismus zu eichen? Rezensent Jakob Hayner findet diese Idee ziemlich absurd. Vertreten wird sie von der Philosophn Liyan Yu, die argumentiert, dass die entscheidenden politischen Weichenstellungen nicht im sozialen Raum, sondern, eben, im Gehirn stattfinden. Angelehnt an Vorarbeiten von Leor Zmigrod fordert sie dazu auf, Kognition aktiv umzupolen, um Empathie und andere liberale Tugenden zu fördern, konservatives Denken wird hingegen als Defekt betrachtet. All das deutet auf eine Krise des Liberalismus hin, der sich inzwischen gar in Biologismus flüchtet, findet ein teils verärgerter, teils belustigter Rezensent. Dass man den aktuellen Gesellschaftsproblemen mit einer Wohlfühltherapie Marke Liyan Yu - zum Beispiel: "heilende" Balkone bauen, weiche Objekte gegenüber harten bevorzugen - beikommt, glaubt er nicht. Anderes, was die Autorin fordert, wie etwa Verzicht auf polarisierende Sprache, versteht sich für Hayner von selbst, dazu braucht es keinen kognitionswissenschaftlichen Überbau. Insgesamt lässt die Rezension wenig gute Haare an diesem Buch.
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