Lisa Sandlin

Der Auftrag der Zwillinge

Thriller
Cover: Der Auftrag der Zwillinge
Suhrkamp Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783518474181
Kartoniert, 365 Seiten, 17,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Andrea Stumpf. Beaumont, Texas, im Dezember 1973, während der Watergate-Affäre. Ein neuer Fall für Delpha Wade und Tom Phelan: Die Zwillingsschwestern Ruby und Emerald beauftragen Phelan Investigations damit, herauszufinden, wer sie langsam vermutlich mit Arsen vergiftet. Beide sind schon todkrank. Was die Sache kompliziert macht: Die Zwillinge sitzen in demselben Gefängnis, in dem auch Delpha einst eingesperrt war. Außerdem beginnt gerade die Privatisierung und Kommerzialisierung des Gefängniswesens in den USA. Delpha und Tom wittern unschöne Zusammenhänge. Dann ist da noch Charlie Benavidez, der sein Glück mit Shelly Petry gefunden hat. Leider ist Shellys Mutter eine beinharte Rassistin, die einen Mexikaner als Schwiegersohn niemals akzeptieren würde. Shelly ist plötzlich verschwunden, Charlie tief besorgt. Viel Arbeit also für Delpha und Tom, die sich endlich näherkommen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.08.2024

Rezensentin Katrin Doerksen folgt der Privatdetektivin Delpha Wade auch in ihrem neuen Abenteuer mit Interesse. Wade war, lernen wir, im Gefängnis, nachdem sie ihren Vergewaltiger tötete, und auch ihre neue Auftraggeberin namens Ruby hat Knasterfahrung - und fürchtet um das Leben ihrer Schwester Emerald, die immer noch einsitzt und möglicherweise vergiftet wird. Weitere mysteriöse Ereignisse verkomplizieren laut Doerksen die Lage, die sich langsam zu einem regelrechten Paranoia-Szenario zuspitzt. Allerdings, stellt die Rezensentin klar, erzählt Lisa Sandlin in ihrem neuen Kriminalroman keineswegs geradlinig, sie gönnt sich Abschweifungen, leuchtet die biografischen Hintergründe von Nebenfiguren aus und führt die Fäden eher beiläufig und entspannt wieder zusammen. Das in den 1970er Jahren spielende Buch hat einiges zu sagen über verschiedene soziale und institutionelle Probleme der USA, zum Beispiel hinsichtlich des immer stärker privatisierten Gefängniswesens, freut sich die insgesamt angetane Rezensentin, die lediglich einige Unsauberkeiten in Übersetzung und Lektorat bemängelt.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 05.07.2024

Lisa Sandlins Kriminalroman über eine Frau, die gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde, hat dem Rezensenten Kolja Mensing gut gefallen. Delpha Wade wird nach ihrer Entlassung von einer Mitgefangenen gesucht, deren Schwester im Gefängnis vergiftet wurde und der sie helfen soll. Der Roman habe einen politischen Hintergrund, erklärt Mensing: Nach der Privatisierung der Gefängnisse in den USA erhielten Gefängnisdirektoren Geld von Pharmakonzernen, um Medikamente an Häftlingen zu testen. In Sadlins Roman stehen jedoch weniger politische Verfallsszenarien im Vordergrund, sondern die Schicksale einfacher Menschen, liest Messing begeistert. Und die Freundschaft, die sich zwischen den beiden Frauen entwickelt, hat für Mensing eine gewisse utopische Schwungkraft, die auch nach der Lektüre dieses "ungewöhnlich sympathischen" Romans anhält.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.06.2024

Rezensentin Sylvia Staude hat den dritten Teil der Delpha-Wade-Serie der amerikanischen Krimi-Autorin Lisa Sandlin, gerne gelesen, obwohl sie gleich klar stellt, dass er der am wenigsten gelungene Band der Reihe ist. Darin geht die als Sekretärin angestellte, jüngst aus dem Gefängnis entlassene und mit ihrer Vorgeschichte - der Tötung eines Mannes aus Notwehr - belastete Delpha Wade den Anschuldigungen einer ehemaligen Mitinsassin, ihre Zwillingsschwester werde im Gefängnis schleichend vergiftet, nach, und kommt dabei noch anderen systematischen Verbrechen auf die Spur. Der Roman zeichnet sich, so Staude, durch den für Sandlin typischen "gedämpften" Ton und die Realitätsnähe der Protagonist:innen aus. Essenziell ist der Rezensentin zufolge die Situierung der Geschichte vor dem Hintergrund der Watergate-Affäre Anfang der Siebziger Jahre. Trotz einiger Längen, die sie attestiert, kann Staude den von Andrea Stumpf übersetzten Roman nicht zuletzt als Auseinandersetzung mit dieser Zeit zur Lektüre empfehlen