Lisa Kränzler

Nachhinein

Roman
Cover: Nachhinein
Verbrecher Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783943167160
Gebunden, 269 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Der Roman "Nachhinein" erzählt von der Entwicklung zweier Mädchen und ihrer schwierigen Freundschaft. Zwischen beiden gibt es einen wesentlichen Unterschied: Die eine wächst gut behütet auf und wird geliebt, darf sogar rebellisch sein, die andere hingegen kommt aus schwierigen sozialen Verhältnissen, wird angegriffen und in ihrer Familie missbraucht. Bald verändert dies auch die Beziehung der Mädchen zueinander, die von kindlicher Liebe, bald auch von Eifersucht und erwachender Sexualität, von Machtspielen und Grausamkeit geprägt wird. Bis die Ereignisse außer Kontrolle geraten ...

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.09.2013

Mäßigung ist Lisa Kränzlers Sache nicht, verrät Rezensentin Alexandra von Arx, die der Autorin ihren sprachlichen und erzählerischen Wagemut allerdings hoch anrechnet. In ihrem neuen Roman "Nachhinein" geht es wieder um die Kindheit, um zwei Kindheiten eigentlich, berichtet die Rezensentin, um das behütete und optimal geförderte Akademikerkind "LottaLuisaLuzia" und um ihre beste Freundin "JasminCelineJustine", die zwar nur über die Straße wohnt, deren Familie jedoch verwahrlost und gewaltbereit ist. Zwei Gegensätze, erklärt die Rezensentin und zitiert: "Hüben Lehrplan, drüben Schichtplan; da Eigenheim, dort Mietwohnung; rechts Standpauke, links Arschvoll." Das schürt von vorneherein eine gewisse Erwartungshaltung gegenüber dem Ausgang dieser Freundschaft, von der auch nicht abgewichen wird: Sie scheitert. Und dennoch ist die Lektüre schockierend und beunruhigend, gesteht Arx.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.03.2013

Die wertenden Begriffe, die Judith von Sternburg in ihrer Rezension von Lisa Kränzlers Roman "Nachhinein" wählt, sind überwiegend negativ: die Handlung wirke "hanebüchen konstruiert", die Autorin trage dick auf und biete vordergründig "wenig, was über eine spektakuläre Reportage hinausgeht". Und doch wird deutlich, dass die Rezensentin nachhaltig beeindruckt und fasziniert ist von diesem für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Roman. Von Sternburg schildert den Handlungsverlauf über zwei grundverschiedene Freundinnen aus grundverschiedenen Milieus und betont, dass es hinter den "scharf und raffiniert kontrastierten Adoleszenz-Anekdoten" noch um etwas anderes, schwer Ergründliches geht, das die Rezensentin "nicht mehr so leicht los wird".

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 13.03.2013

Die Geschichte zweier Nachbarsmädchen mit völlig unterschiedlichen sozialen Backgrounds schmerzt Rezensentin Fatma Aydemi immer dann beinahe, wenn die Autorin Figuren und Setting "grell überzeichnet", etwa wenn ein Bruder seine Schwester vor dem Fernseher antatscht. Interessant scheint sie die Lektüre dennoch zu finden, auch wenn sich ihrer Rezension kein klares Urteil entnehmen lässt: Auf der einen Seite ist da eine umhegt aufwachsende Ich-Erzählerin, auf der anderen deren sozial randständige Nachbarsfreundin, die überdies von ihrem Vater missbraucht wird, worauf erstere reichlich kaltherzig reagiert. Die Autorin vermittelt dies in einer "unsentimentalen Sprache", die die Rezensentin als eigentliche Protagonistin des Romans identifiziert und sich erst zum Ende hin zur Selbstanklage wandelt. Ob hier aber ein selbstverliebtes Kind oder das Bildungsbürgertum auf der Anklagebank sitzt, vermag Aydemir nicht eindeutig zu sagen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.03.2013

Bemerkenswert findet Ina Hartwig diesen Roman über zwei ungleiche Freundinnen von Lisa Kränzler. Auch wenn die Sprache nicht durchgängig mitspielt, mitunter gibt die Erzählerin allzu altkluge Sätze von sich, das Ende der Rezensentin viel Realismus abverlangt und die beschriebenen Sexualerfahrungen der Mädchen immer Gefahr laufen, in Klischeespalten abzugleiten, attestiert Hartwig der Autorin viel Mut und Können. Sowohl sprachlich (zwischen Keun und Jelinek), als auch thematisch hält Kränzler laut Hartwig den Text im Lot und vermittelt manche nur schwer erträgliche Wahrheit.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.02.2013

Im besten Fall zwiespältig reagiert Rezensent Adam Soboczynski auf den zweiten Roman der auch als bildende Künstlerin arbeitenden Lisa Kränzler. Es geht kurz gesagt um zwei Mädchen aus derselben Straße aber himmelweit entfernten gesellschaftlichen Schichten, die kurze Zeit befreundet sind. So weit ein Adoleszenzroman, erklärt der Rezensent. Doch fühlt er sich schnell genervt von der poetisierenden, hochtrabenden Sprache, in der diese Geschichte erzählt ist - bis der Groschen bei ihm fällt. Das ist Absicht! Lisa Kränzler nimmt die unechte Sprache, um das Mädchen aus wohlhabendem Haus, das seine proletarische, gequälte Freundin verleugnet, zu kritisieren. Der Rezensent ist nur halb versöhnt: genervt ist er immer noch, aber "auf hohem Niveau".
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