"Wir, im Fenster" erzählt von einer rauen Kindheit im Berlin der Nachwendezeit, von zwei einst unzertrennlichen Freundinnen - und von dem Sommer, in dem ein unverzeihlicher Verrat einfach alles verändert. Linn beobachtet zwei Mädchen in der U-Bahn, und auf einmal ist sie wieder da: Laila, ihre Kindheitsfreundin, und pocht immer lauter auf ihren Platz in Linns Leben. Wie damals, als die beiden Mädchen noch unzertrennlich einem widersprüchlichen Ort mitten in Berlin trotzen, wo das Schöne und das Grausame nah beieinander liegen. Als Laila für eine Weile zu Linns Familie zieht, geht die Freundschaft - geprägt von kindlicher Liebe, Eifersucht und erwachender Sexualität - schleichend in die Brüche, bis etwas Unverzeihliches geschieht und Laila in den heißesten Tagen des Sommers schließlich ganz verschwindet, ohne sich zu verabschieden. Während sich der Ort von damals auflöst, tastet Linn sich zurück, zweifelnd, ob sie sich selbst trauen kann, und fragt nach dem warum.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 12.10.2019
Rezensentin Anne Kohlick hat Lene Albrechts Debütroman an "Meine geniale Freundin" von Elena Ferrante erinnert: In "bruchstückhaften Flashbacks" vergegenwärtige sich die dreißigjährige Erzählerin hier die Zeit mit ihrer besten Freundin zu Teenagertagen. Im Berlin-Kreuzberg der 90er unzertrennlich, haben sich die beiden jetzt komplett verloren. Wie Albrecht nach und nach die Geschichte der Mädchen mit sehr unterschiedlichen sozialen Hintergründen aufklärt und sich dabei auch am Thema Erinnerung abarbeitet, fand die Kritikerin sehr gelungen.
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