Der Berliner Schriftsteller Jochen Schmidt hat zu jedem Buchstaben des Alphabets aus einem handelsüblichen Duden sieben Wörter im Abstand von jeweils vierzig Einträgen herausgeschrieben. Zu jeder der sechsundzwanzig alphabetischen Wortgruppen sucht er sich dann einen mit dem selben Buchstaben beginnenden Vornamen aus, nach dem der Protagonist heißt, und formt daraus einen Zyklus winziger Erzählungen. Und dann kommt Line Hoven ins Spiel. Aus Schabekarton, in dem sie Weiß unter Schwarz freilegt, kratzt sie dazu eine Illustration, die die Anmutung eines sorgfältig gearbeiteten Holzschnitts hat. Damit sorgt sie für eine inhaltliche Fortschreibung der Geschichte. Denn plötzlich haben Schmidts Protagonisten ein Gesicht, einen Habitus, eine Persönlichkeit. Und so erreicht der Begriff der Bildergeschichte eine neue Dimension er wird zur Graphic Novel.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.09.2011
An die zwischen Nonsens, höheren Sinn und Absurdität pendelnden Texte der postsurrealistischen Gruppe Oulipo fühlt sich Thomas von Steinaecker bei der Lektüre von Jochen Schmidts "Geschichten aus dem Wörterbuch" erinnert. Die 26 nur aus zwei, drei Sätzen bestehenden Kurztexte des vorliegenden Bandes, die auf zufällig aus dem Duden ausgewählten Wörtern basieren, bieten in seinen Augen einen Reihe von schrägen biografische Skizzen über Majore, Quirlverleiher oder Schönheitsköniginnen. Diese zeichnen sich für Steinaecker zwar durch "angenehm absurd-grotesken Humor" aus, blieben aber ohne die Illustrationen von Line Hoven oft im Bereich des Gags. Mit großen Lob bedenkt er dann auch Hovens Illustrationen, die den Texten erst wirkliches Leben einhauchen.
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