Mopsa Sternheim & Gottfried Benn: Die Obsession eines Lebens.
Eine Kindheit mit van Goghs an den Wänden und einem Vater, der seiner Tochter sexuell nachstellt. Eine Jugend zwischen Krieg und Frieden, Dresden und St. Moritz, Bodensee und Berlin, Morphiumsucht und Liebesfluchten. Ein Exil in Paris, das ernüchtert und vereinsamt. Ein Widerstand unter Einsatz von Leib und Leben. Und über allem, unter allem die Lyrik von Gottfried Benn und die Besessenheit von diesem Mann. "Wo er doch so dick und scheußlich ist."
Ein Liebesdrama, in dem sich ein halbes Jahrhundert abbildet. Der lange Weg zu einer späten, erlösenden Entdeckung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.11.2017
Mit gemischten Gefühlen bespricht Rezensent Simon Strauss Lea Singers neues Werk. Zwar weiß der Kritiker den Fleiß und die "kindliche Neugier", mit der sie sich stets historischen Figuren annähere, durchaus zu schätzen: Dass sich Singer im nun vorliegenden Buch mehr auf die Benn-Verehrung des Mutter-Tochter-Gespanns Thea und Mopsa Sternheim als auf den Dichter selbst konzentriert, Benn dabei ein wenig eindimensional und schemenhaft erscheint, geht für Strauss durchaus in Ordnung: Singer gehe es eben mehr um das Herzensdrama als um Lektüre für Historiker und Benn-Liebhaber, meint er. Während dem Rezensenten auch die dahingetupften Szenen, in dem die Autorin die Fantasien der Frauen und Benns Abweisung schildert, gefallen, geraten ihm Psychologie und Zeithintergrund zu kurz. Und warum diese, wie er findet, "sympathisch"-solide historische Erzählung allerdings als Roman veröffentlicht wird, kann Strauss beim besten Willen nicht verstehen.
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