Lavinia Greenlaw

Minsk

Gedichte. Englisch-Deutsch
Cover: Minsk
DuMont Verlag, Köln 2006
ISBN 9783832179298
Gebunden, 127 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Raphael Urweider. "Waren es nicht wir selbst, vor denen wir uns am meisten fürchteten?" Von den zurückgelassenen Landschaften der Kindheit bis zu einem Mittsommer auf den Lofoten reicht die Spannweite dieser Gedichte - sie entwerfen Räume und stellen Räume in Frage, auch einen sicher geglaubten Ort wie Minsk. Wie schon in ihrem herausragenden Gedichtband "Nachtaufnahmen" sucht und findet Lavinia Greenlaw die Verschränkungen von wissenschaftlicher und alltäglicher Wahrnehmung, sie streift durch alte Tierhäuser des Londoner Zoos und vereint dabei wie selbstverständlich die Mentalitätsgeschichte vergangener Epochen mit Beobachtungen der Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.11.2006

Voller Bewunderung schreibt Thomas Poiss über diesen dritten Gedichtband der britischen Lyrikerin Lavinia Greenlaw. Der Rezensent wirkt vor allem bemüht, die "auf der ersten Blick spröde" erscheinenden Gedichte für den Leser genussfertig anzurichten. Sehr genau geht er dabei auf Greenlaws Ansatz aus, nicht lyrisch zu erzählen, sondern "poetische Wirklichkeit aus der Wirklichkeit der Wörter" erstehen zu lassen. Dabei hat er Momente "klarer Vollkommenheit" erlebt, die jedoch hin und wieder durch einige Übersetzungsschwächen verdorben wurden. Zwar habe der Lyriker Raphael Urweider angesichts Greenlaws "unübersetzbarer Wortkunst" über weite Strecken respektable Arbeit geleistet, aber einiges ist doch schief gegangen, konstatiert der Rezensent bedauernd, der sich aber mit der Zweisprachigkeit des Bandes tröstet.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.08.2006

Für die beeindruckte Sibylle Cramer betritt die britische Lyrikerin Lavinia Greenlaw mit ihrem Gedichtband "Minsk" Neuland. Nicht zeitliche, sondern räumliche Erfahrungen bilden Basis und Struktur dieser Gedichte, sei es in den Erinnerungen an idyllische Kindheitsräume oder in eher melancholisch eingetrübten Erinnerungen des erwachsenen Ich auf Reisen zu den Lofoten oder nach Russland, erklärt die Rezensentin. An der Übersetzung ins Deutsche von Raphael Urweider hebt die eingenommene Rezensentin die "geistige" Übereinstimmung mit den Originaltexten hervor, die sie in der engen Anlehnung an die englischen Texte auszumachen meint.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.07.2006

Meike Fessmann fliegt davon: Dass Dichtkunst Levitation sein kann, hat ihr dieser Gedichtband ein für allemal bewiesen. Ganz besonders die Gedichte über Kindheit und Jugend der Verfasserin Lavinia Greenlaw haben es ihr angetan. Ein Wort, ein Vers und los geht's in die Lüfte. Da öffnen sich Räume: "Alles wird zart, leicht und grenzenlos", grüßt die Rezensentin schon von hoch oben. Und denkt, wie schön es ist, wenn ein kindlicher Blick so präzise Wirkung evoziert, dass der Leser daran teilhaben kann. Fessmanns Dank gilt aber auch der "glänzenden" Übertragung in diesem zweisprachigen Band. Ihren "etwas höheren Ton" führt sie auf den Unterschied der Sprachen zurück, stört sich nicht weiter dran, winkt und verschwindet am Horizont.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.06.2006

Jürgen Brocan schwärmt von der Klarheit und Tiefe der Gedichte des dritten nun auf Deutsch vorliegenden Lyrikbandes von Lavinia Greenlaw und preist ihre sprachliche Präzision und Experimentierlust, um dann schließlich doch Zweifel an der "Gesamtkomposition" des Buches zu äußern. Haben den Rezensenten die Übersetzungen der vorhergehenden Gedichtbände nicht recht überzeugen können, preist er die Übertragung von Raphael Urweider nun für ihre Umsicht und Vorsichtigkeit. Bei aller Modernität bleiben die Gedichte der britischen Lyrikerin zugänglich und verständlich, stellt der Rezensent begeistert fest, wobei ihm besonders die Ortsbeschreibungen aus der Kindheit der Autorin gefallen. Warum Brocan allerdings meint, dass der Band als Ganzes die in ihn gesetzten Erwartungen nicht ganz erfüllen kann, bleibt bei all den Lobeshymnen aber ein Rätsel.
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