Laure Adler verursacht fast einen Unfall. Einen Moment lang glaubt sie, alles sei vorbei. Später stellt sie fest, dass ihre Uhr durch den Angstschweiß beschlagen ist. Nur noch das Datum ist lesbar. Jäh wird ihr bewusst, dass sie auf den Tag vor siebzehn Jahren ihren kleinen Sohn verloren hat. Die Erinnerungen tauchen auf: an das Glück der Schwangerschaft, den neugeborenen Sohn, die ersten Monate mit dem Kind. Die Nachricht von seiner Atemlähmung...
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.03.2002
Laure Adler ist Philosophin und Historikerin, war unter Mitterand Kulturbeauftragte des Präsidenten - und hat nun, nach einer viel gerühmten Duras-Biografie, ihren literarischen Erstling verfasst. Der Text beruht auf der traurigen und wahren Geschichte vom Tod des neun Monate alten Sohnes der Autorin. Keineswegs aber handelt es sich deswegen, betont Meike Fessmann, um bloße "Betroffenheitsliteratur". Adler erzähle sprachlich und formal gekonnt, setze auf "Reduktion" und aufs Detail. Nur gelegentlich wird der Versuch, die Zeit mit dem Kind wieder heraufzubeschwören, auch der sehr freundlich gesonnenen Rezensentin zuviel, etwa bei der Schilderung der "allzu seligen" Zeit der Schwangerschaft. Davon aber abgesehen, findet sie das Buch "ebenso schmerzlich wie tröstlich", nur die Aufmachung der deutschen Ausgabe lässt, klagt Fessmann, die Dezenz vermissen, die das Original bei Gallimard noch auszeichnete.
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