Aus dem Französischen von Christian Kolb. "Das ist mein ganzes Leben" - mit diesen Worten übergibt Charlotte 1942 einem Vertrauten einen Koffer voller Bilder. Sie sind im französischen Exil entstanden und erzählen, wie sie als kleines Mädchen, damals im Berlin der 1920er, nach dem Tod der Mutter das Alleinsein lernt, während sich ihr Vater, ein angesehener Arzt, in die Arbeit stürzt. Dann die Jahre, in denen das kulturelle Leben wieder Einzug hält bei den Salomons. Die Stiefmutter ist eine berühmte Sängerin; man ist bekannt mit Albert Einstein, Erich Mendelsohn, Albert Schweitzer. Charlotte beginnt zu malen, und es entstehen Bilder, in denen dieses einzelgängerische, verträumte Mädchen sein Innerstes nach außen kehrt, Bilder, die von großer Begabung zeugen. Doch dann ergreift 1933 der Hass die Macht, es folgen Flucht, Exil, aber auch Leidenschaft und Heirat. Nur ihre Bilder überleben - Zeugnis ihrer anrührenden Geschichte, die David Foenkinos nahe an der historischen Realität entlang erzählt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 13.01.2016
Rezensent Volker Breidecker ist regelrecht angewidert von David Foenkinos Aneignung der Biografie der in Auschwitz ermordeten Zeichnerin Charlotte Salomon. Wie der Autor Leben und Werk Salomons in seinem Buch als persönliche Entdeckung ausgibt und die Forschungsliteratur zu diesem Schicksal plündert und zu Kitsch verrührt, indem er vermeintlich authentische Gefühle "seiner" Heldin wiedergibt, macht Breidecker fassungslos. Statt Distanz begegnet ihm hier die reine Schamlosigkeit, die für den Rezensenten darin gipfelt, dass der Autor die Ermordung der Künstlerin als Schicksal ausgibt und sein Voyeurismus selbst vor der Gaskammer nicht Halt macht. Dass der Roman sprachlich gepreizt und stereotyp daherkommt, wie Breidecker kritisiert, ist da schon beinahe nebensächlich.
Chance vertan, urteilt Tilman Krause über David Foenkinos Annäherung an die in Auschwitz ermordete Berliner Malerin Charlotte Salomon. Was jemand wie Patrick Modiano aus dem Stoff dieser Lebensgeschichte gemacht hätte, kann Krause nur vermuten. Besser als Foenkinos Buch wäre es allemal geworden, meint er. Dem berührenden Schicksal Salomons kann sich Foenkino nämlich nicht anders als über Betroffenheitsverse und peinliche emotionale Vereinnahmung nähern, erläutert Krause die Unbedarftheit des Autors. Naives Sofageplapper statt sprachliche Kunst, schimpft der Rezensent.
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