Aus dem Isländischen von Annika Lüders. Pálina Jónsdóttir wächst im späten 19. Jahrhundert in einer abgeschiedenen Gegend im Osten Islands auf, am Fuß eines Gletschers, mit Blick auf gewaltige Gebirgszüge und das stürmische Meer. In einfachsten Verhältnissen lebend, in einer vielköpfigen Familie und großen, engen Hofgemeinschaft, schwankt sie zwischen Heimatgefühl und Fernweh, träumt von einer glücklichen, sonnigen Zukunft und fühlt sich doch auf der Mädchenschule in Reykjavík nicht wohl. Von Kind an leidet sie unter seelischen Spannungen, die sich, als sie selbst eine Familie gründet und in ihre Heimat zurückgekehrt ist, verschärfen. Die enge, ambivalente Beziehung zum Vater hat ihr Leben großen Belastungen ausgesetzt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.03.2012
Eine problematische Innensicht macht dieses Buch über den Verfall einer Frau unter dem Druck gesellschaftlicher Erwartungen für Beatrice von Matt zu einer nicht ganz überzeugenden Angelegenheit. Dass die Ich-Erzählerin im Buch von Kristin Steindottir ihr ganzes Leben tagebuchartig als Seelenprotokoll erzählt, scheint ihr unglaubwürdig und für den Leser unbefriedigend. Die einprägsamen Naturbilder reichen nicht aus, um Distanz zu schaffen, hinterhergeschobene resümierte Fakten sind das Resultat. Die tragische Geschichte eines Wahnsinns im Island des 19. Jahrhunderts, die Matt als halb dokumentarisch begreift, stimmt sie deshalb doppelt traurig.
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