Die Medien gaben ihm den Beinamen "Der Kanzlerfotograf", doch das ist, so empfindet er es zu recht, eine unzulässige Reduktion seiner Arbeit. Wenn es auch zutrifft, dass Konrad R. Müller wohl der einzige Fotograf ist, der die sieben deutschen Kanzler mit umfangreichen Porträtstudien begleitet hat. Weniger bekannt, aber um so beachtenswerter sind Müllers Landschaftsfotografien, seine Stilleben oder die Reportage "Die Leute vom Lech". Der Fotograf nähert sich einem rumänischen Bettler, der von der dörflichen Gemeinschaft gemieden wird: eine einfühlsame Studie über einen Outlaw. Zu entdecken sind auch Müllers zurückhaltende, sensible Fotos von der Sammlung missgebildeter Föten der Berliner Charite: auch hier, in den Gesichtern nie geborener Kinder, entdeckt er Wesenszüge von Persönlichkeiten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.10.2000
Mit einem Foto aus dem besprochenen Band, das Mitterand und einen Gärtner im Park zeigt, und einer Kurzrezension von "fils" wird das Buch vorgestellt. "fils" macht den Leser aufmerksam auf die "Konstellation wie ein Koordinatensystem", die auf dem Bild herrscht, und erzählt Geschichten aus dem Leben des Fotografen nach, zum Beispiel über das erste Foto eines Prominenten (es war der Papst Johannes XXIII), das er schoss. Müller ist ein Fotograf, der "an die Aura von Menschen" glaubt und ist vielen nahe gekommen; "doch niemals wird er indiskret", schreibt "fils" und nennt ein paar Namen, wie Adenauer, Kohl, Kreisky und Sadat, aber auch "die einfachen Menschen vom Lech". "fils" findet, dass dies ein schönes Buch ist - und sogar den Titel zu Recht trägt.
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