Eine komplizierte Nachbarschaft stellen die deutsch-polnischen Filmbeziehungen dar. Viele der vor dem Ersten Weltkrieg entstandenen Filme, die die Historiografie als Bestandteil der nationalen Kinematografie ansieht, waren in Wirklichkeit deutsche Produktionen. Im polnischen Film von 1945 bis 1989 finden sich viele anti-deutsche Motive, die den Richtlinien der Kommunistischen Partei entsprachen, und nach 1990 entstanden zahlreiche Filme als deutsch-polnische Koproduktionen; diese Entwicklung hat seit dem Beitritt Polens zur EU noch zugenommen. Angesichts dieses Befunds überrascht es, dass die Beziehungen zwischen dem polnischem und dem deutschem Film bisher nicht ausführlich untersucht wurden; eine Ausnahme bilden Arbeiten zu Andrzej Wajda und Krzysztof Kieslowski. Der Band ermöglicht einen Einblick in eine bisher in Deutschland kaum wahrgenommene filmische Beziehung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.09.2011
Interessiert, aber etwas verhalten nimmt Hans-Jörg Rother den Sammelband mit Beiträgen zu deutsch-polnischen Filmbeziehungen zur Kenntnis. Es sind Vorträge einer Konferenz, die 2009 in Tübingen stattgefunden hat, informiert der Rezensent. Die einzelnen Beiträge sind in seinen Augen von sehr unterschiedlichem Gewicht. So beklagt er an einem Aufsatz von Urszula Biels zu polnischen Filmankäufen zwischen 1924 und 1938 beispielsweise die Lückenhaftigkeit. Den Beitrag zu deutsch-polnischen Filmkooperationen seit 1957 von Margarete Wach dagegen lobt er als "fundiert".
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