Klaus Modick

September Song

Roman
Cover: September Song
Eichborn Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783821809052
Gebunden, 258 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Alles scheint wohlgeordnet im Leben von Kurt - ein schönes Haus, eine liebe Frau, eine hübsche Tochter! Doch als die siebzehnjährige Marie sichtlich verliebt aus dem Ferienlager zurückkommt, trübt nicht nur väterliche Eifersucht die letzten Sommertage. Denn Kurt erkennt im Angebeteten der Tochter den eigenen Sohn, dem er eigentlich hätte nie begegnen sollen. So jedenfalls hatte es die geheimnisvolle Vera nach einem rauschhaften Seitensprung vor langer Zeit arrangiert. Und schon hat Kurt alle Mühe, der aus den Fugen geratenen Wirklichkeit und seines Gefühlsmixes aus Inzest-Angst und lustvollen Erinnerungen, schlechtem Gewissen und Eifersucht wieder Herr zu werden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.12.2002

Die Lektüre von Klaus Modicks "September Song" hat dem Rezensenten Jochen Hörisch offensichtlich großen Spaß gemacht, auch wenn der Roman, wie er einschränkt, nicht so "souverän komponiert" sei wie Modicks Winterroman "Vierundzwanzig Türen". Hörisch charakterisiert ihn dennoch als geistreich und stilsicher. Ihm gefällt, wie leicht und unprätentiös der Autor von der Daseinslust in den Jahren schreibt, die hinter den vermeintlich besten liegen. Wer sich auf die Lektüre dieses Romans freut, sollte jedoch Hörischs Besprechung aussparen oder höchstens überfliegen, denn dort wird nahezu der gesamte Plot verraten!

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.12.2002

Um die Risiken, aber auch um die Stärken dieses Romans aufzuzeigen, hat Sebastian Domsch eine maritime Metaphorik gewählt, der er in seiner ziemlich begeisterten Kurzkritik auch treu bleibt. Bei der Beschreibung der Handlung des Buches, in dem ein Vater in der Urlaubsliebe seiner 16jährigen Tochter das Ergebnis eines Seitensprungs zu erkennen glaubt, ruft er dann auch zunächst warnend: "Heftchenromankliff hart steuerbord". Doch sieht er den Autor dieser Gefahr durch die Erzählhaltung geschickt ausweichen. Er preist das "Fingerspitzengefühl" Modicks, mit dem er dem Kitsch immer wieder entgeht und attestiert diesem Roman-"Schiff" einen "ironieverstärkten Bug" und dazu einen "leistungsstarken Fabuliermotor", mit dem es dem "Kapitän" Modick gelingt, durch alle trivialen Untiefen hindurch den "Hafen" zu erreichen.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.11.2002

Vor zwanzig Jahren legte Klaus Modick mit "Ins Blaue" seinen Debütroman vor, der, so Stephan Reinhardt, witzig und ironisch Aussteigerträume eines Jungakademikerpaares schilderte. Trudi und Kurt, so hießen die Protagonisten, tauchen nun, zwanzig Jahre gealtert und noch immer ein Paar mit jugendlicher Tochter, in Modicks jüngstem Roman auf, wie uns berichtet wird; die Vergangenheit wird noch einmal aktuell, als ein potentieller unehelicher Sohn auftaucht, der gar der Liebhaber der Tochter sein könnte. Anlass für Modick, berichtet der Rezensent amüsiert, die Geschichte dieses Treuebruchs und seine Verwicklungen bis in heutige Tage intelligent und pointiert aufzurollen; darin eingeflochten eine Persiflage auf die Teenager-Sprache und melancholische Betrachtungen zum Älterwerden. Ganz so schwerelos wie damals "Ins Blaue" findet Reinhardt den "September Song" dennoch nicht, dafür komme der Roman etwas zu routiniert her, wie er alle Register des gehobenen Unterhaltungsromans zieht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.2002

Kein großes Stück Literatur, aber ein raffininiert geschriebener und ganz bestimmt unterhaltsamer Roman stellt Klaus Modicks "September Song", für Walter Hinck dar. Denn der Autor - nebenbei Literaturwissenschaftler - sei ein literarischer Freibeuter und beschlagen, was Themen, Motive, Genres der älteren Dichtung angeht, und spiele diese genüsslich durch, ohne sich auf ein bestimmtes Muster eindeutig festlegen zu lassen, versichert Hinck. Ein solches Motiv sei der "Altmännersommer", in den Modicks Hauptfigur, ein Schulbuchlektor von beinahe 50 Jahren, gerät; es gebe auch das Inzestmotiv, für dessen "Tragödienversion" Modick keinen Bedarf verspüre, wie Hinck schreibt; und es gebe "erotiscchen Schwulst", der vom Schülerjargon der siebzehnjährigen Tochter des Protagonisten dankenswerterweise konterkariert wird. Sie sehen, der Rezensent schreibt sich in Begeisterung für diesen "Romanverschnitt", der Hinck eher an ein erzählerisches Drehbuch erinnert, daher einen großen Spannungs- und Unterhaltungswert besitze (und viele Volten schlägt) und für skeptischere Leser "mit Bekömmlichkeitszusätzen wie Ironie oder Persiflage" gewürzt sei.
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