Klaus Hoffer

Bei den Bieresch

Roman
Cover: Bei den Bieresch
Droschl Verlag, Graz - Wien 2007
ISBN 9783854207184
Gebunden, 269 Seiten, 21,00 EUR

Klappentext

"Bei den Bieresch" spielt "in einem rätselhaft-unheimlichen Niemandsland" (Wolfgang Hildesheimer), dem Seewinkel, also dem Ostufer des Neusiedler Sees; der Erzähler Hans gerät, einem Ethnologen gleich, in eine fremdartige und doch vertraute Volksgruppe, eben die Bieresch, wo er, einem archaischen Brauch zufolge, ein Jahr lang die Rolle seines soeben verstorbenen nächsten Verwandten zu spielen hat. Diese Welt, die er allmählich zu enträtseln versucht, ist ein labyrinthischer Alptraum aus wechselseitigen Deutungen und Interpretationen, aus Fremdbeobachtungen und Ritualen, aus Kafka und Kabbala, aus Erzählungen, Anekdoten und Mutmaßungen, der ihn immer fester und unausweichlicher umfängt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.04.2008

Froh über die Wiederauflage dieses zweiteiligen Romans von Klaus Hoffer ist Jörg Drews zweifellos. Allerdings kann er verstehen, wenn jemand neben der Spannung, die der "quasi-ethnografische Bericht" für Drews birgt, nicht zuletzt das Unbarmherzige, Verstörende darin erblickt. Was Hoffer an "düsteren Selbsteinschätzungen" der Stammesangehörigen der Bieresch und "transzendental niederschmetternden Einsichten" so auftischt (eine zehnseitige Krankheitsschilderung von "entsetzlicher Intensität" gehört dazu), findet auch Drews nicht ohne. Nicht ohne Originalität sei es aber auch, wie die Besprechung nahelegt, wenn dieser Autor "aus dem Schatten Kafkas" heraustritt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.09.2007

"Bei den Bieresch" geht es ziemlich ähnlich zu wie bei Kafka, findet der Rezensent Wolfgang Schneider. Das spricht aber gar nicht gegen Klaus Hoffers 1979 und 1983 in zwei Teilen erstmals erschienenes Werk, wie er gleich klarstellt. Gerade im eigenwilligen Umgang mit großen Vorbildern - Jorge Luis Borges, Kurt Vonnegut und Flann O'Brien werden noch genannt - sieht Schneider nämlich eine Stärke von Hoffers Roman. Dieser erzählt von einem Ich-Erzähler mit Namen Hans, der in ein Dorf mit Namen Zick gerät und dort für ein Jahr die Identität seines verstorbenen Onkels anzunehmen hat. Dies ist nur eines der vielen seltsamen Rituale der Zicker, deren Bräuche und Mythologien der Roman vorstellt. Der Rezensent ist sehr bereit, die große Klasse des Buchs anzuerkennen, vermisst zuletzt aber doch ein wenig "episches Fleisch", das dem Werk dazu verholfen hätte, das entscheidende bisschen mehr als der zweifellos spannende "Gegenstand aufwendiger Dechiffrieranstrengungen" zu werden.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.08.2007

Dieser zweiteilige, preisgekrönte und vielfach gelobte Roman von Klaus Hoffer findet auch das ungeteilte Lob der Rezensentin Katrin Hillgruber. Der österreichische Autor lässt darin seinen jungen Protagonisten Hans in das kleine Dorf Zick reisen, wo er für ein Jahr die Postbotenstelle seines verstorbenen Onkels bei den Bieresch, einem fiktionalen Volksstamm, übernehmen soll. Es handelt sich also um eine an den klassischen Entwicklungsroman angelegte Initiationsgeschichte, in deren Verlauf Hans die seltsamen Riten und Überzeugungen der Bieresch kennen lernt, erklärt die Rezensentin, die die traumhafte Plastizität der absurden Szenen fasziniert. Überhaupt kommen ihr bei der Lektüre nicht zuletzt wegen der absurden und labyrinthischen Zustände bei den Bieresch häufiger Kafka, aber auch Oswald Wiener, Jorge Luis Borges und schließlich Lars von Triers Film "Dogville" in den Sinn. Um nichts weniger als um die "Lösung der Welträtsel" geht es den Bieresch in ihrer philosophischen Lebensführung, so Hillgruber, der selten ein postmoderner Roman des deutschsprachigen Raums mehr Überraschungen und Vergnügungen geboten hat.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 31.03.2007

Rezensent Jochen Schimmang ist außerordentlich erfreut, dass dieses heimliche Kultbuch aus den achtziger Jahren über einen fiktiven ländlichen Volksstamm nun wieder aufgelegt worden ist. Es handelt sich Schimmangs Einschätzung zufolge um einen Fantasy-Roman, jedenfalls schlägt er vor, das Buch als solchen zu lesen. Borges lasse grüssen, lesen wir, und als "geheimen Übervater" macht der Rezensent hinter dem Text sogar Kafka aus. Im Wesentlichen verhandele der Roman die Frage, wie die Welt so verkorkst geworden sei, wie sie sich heute präsentiere. Die Art, wie sich Klau Hoffer dieser Frage stellt, findet der Rezensent ebenso komplex hermeneutisch wie komisch Auch ist der Roman aus seiner Sicht auch fünfundzwanzig Jahre nach seinem ersten Erscheinen noch "unterhaltsam, witzig und aktuell".