Juden und Afro-Amerikaner wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts als "anders" betrachtet. Eine wesentliche Komponente ihrer angeblichen Differenz bildete ihr besonderes Krankheitsverhalten. Die Gründe, die man als "abnormale" Disposition für (oder Immunität gegen) Krankheiten anführte, waren eng mit zeitgenössischen Vorurteilsbildern verbunden, welche die Gesellschaft von ihnen zeichnete - und die durch die Arbeit der Ärzte sowohl fundiert als auch weiterentwickelt wurden. Diese Studie ist eine diskursanalytische Untersuchung, die davon ausgeht, daß man Juden und Schwarze aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung vergleichen kann. Inhalt dieser wissenschaftlichen Arbeit sind die von Medizinern konstruierten Vorurteilsbilder von Juden und Schwarzen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.09.2003
Rezensent Robert Jütte findet zwar, dass die Fragen, denen Klaus Hödl hier nachgeht - - nämlich "inwieweit Krankheitszuschreibungen im Falle von Schwarzen und Juden vergleichbar sind" - "durchaus berechtigt" seien. Er hat jedoch Zweifel an der Durchführung der Untersuchung, von einer "Diskursanalyse im eigentlichen Sinne" könne jedenfalls keine Rede sein, statt dessen würden Aussagen "einer Vielzahl von hierzulande völlig unbekannter Autoren" recht schematisch drei wissenschaftlichen Paradigmen zugeordnet. So werde man manchmal den Eindruck nicht los, dass der Autor "vor lauter anthroplogischen 'Wäldern' die menschlichen 'Bäume' aus den Augen verliert". Allerdings räumt der Rezensent ein, dass es auch Ausnahmen gebe - also gelungenere Studien zu einzelnen anglo-amerikanischen Medizinern und Anthropologen, und den Körperbildern, die diese sich im neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert machten; in jenem Raum und Zeitraum also, den, wie man noch erfährt, Hödls Untersuchung sich vorgenommen hat.
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