"Wer den Gendarmenmarkt und Madame Herz nicht gesehen hat, der hat Berlin nicht gesehen." So spricht man im ausgehenden 18. Jahrhundert über Henriette Herz. Mehr als 20 Jahre lang führt sie einen Berliner Salon, in dem sich illustre Gäste aus Politik, Kunst und Gelehrtenwelt drängen. Sie ist eine der gebildetsten und schönsten Frauen ihrer Zeit. Doch ihre große Liebe zu dem Philosophen Ernst Friedrich Schleiermacher findet keine Erfüllung. Seit ihrer ersten Begegnung verknüpft beide ein enges Freundschaftsband. Sie sehen sich fast täglich, genießen ihre Seelen- und Geistesverwandtschaft, doch eine gemeinsame Zukunft scheint ihnen verwehrt: Sie, auffallend groß und üppig, und er, klein und leicht verwachsen, ziehen sofort den Spott der Berliner Karikaturisten auf sich. Dem ist Schleiermacher nicht gewachsen. Er heiratet eine andere Frau. Im Laufe der Zeit durchschaut Henriette immer deutlicher seine Schwächen - aber sie bleibt ihm ein Leben lang treu. Sie ist die Einzige, die das Konzept der romantischen Freundschaft konsequent in die Praxis umsetzt, aber nicht nur darin liegt die Tragik ihres Lebens.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.02.2006
Sandra Kerschbaumer hält das Leben der Henriette Herz, die einen romantischen Salon in Berlin unterhielt, den alle namhaften Köpfe der Zeit besuchten, für einen durchaus "dankbaren Stoff". Allerdings sieht sie schon grundsätzlich im Genre der Romanbiografie drei Gefahren, nämlich Trivialität, allzu "oberflächliches Zeitkolorit" und die "plumpe Vertraulichkeit", und Klaas Huizing ist ihrer Meinung nach in seinem Roman mindestens letzterer erlegen. Statt eines "distanzierten Erzählers" lässt der Autor nämlich Henriette Herz selbst zu Wort kommen und "erfindet", in Ermangelung authentischer Quellen wie Briefe oder Tagebücher, eine "gemütvolle Frau", verliebt in den Theologen und Philosophen Friedrich Schleiermacher. In den Gesprächen der Liebenden, in denen Huizing die Philosophie Schleiermanns zu vermitteln suche, werde sie, anstatt veranschaulicht, eher "trivialisiert", so die Rezensentin unzufrieden. Daneben sollen die in die "Dialoge eingearbeiteten" Zitate aus Werken und Briefen der romantischen "Denker", die den Salon der Herz besuchten, den geistigen Horizont des Romans ausleuchten, was weder hilfreich ist, einen "eigenen Ton" zu kreieren, noch ein "Kunstwerk" entstehen zu lassen, beklagt sich Kerschbaumer.
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