Auf schwankendem Boden ist ein Buch über Identität, Rollenbilder, Erinnerungskultur und Rekonstruierbarkeit der Geschichte. Auf ihrer Reise zu eigenen Erinnerungen, alten Erzählungen und historischen Quellen wird die Erzählfigur überraschende Antworten auf ihre Fragen und - vielleicht - festen Boden unter den Füssen finden."Wo beginnt eine Erinnerung und wo hört sie auf? Wie lässt sie sich festhalten und welche Geschichten bleiben im eigenen, welche im kollektiven Gedächtnis? Kerstin Wichmann schildert in ihren Bildern eine persönliche Spurensuche nach Vätern verschiedener Generationen. Sie führt uns an Orte der Erinnerung: ans Ufer des IJsselmeer, wo der Vater Falken bewunderte, ins Wohnzimmer des Grossvaters und an die Schleck, das kleine Bächlein, wo der Urgrossvater schwimmen lernte. Durch Postkarten, Briefe, Fotografien und Recherchen nähert die Erzählfigur sich nicht nur den persönlichen Schicksalen, sondern auch den rasanten Umwälzungen des 20. Jahrhunderts und fragt: 'Welche Spuren haben uns unsere Väter in der Vergangenheit hinterlassen? Was haben sie in uns hinterlassen?'
Überraschend und doch keineswegs unverdient findet Rezensent Jan-Paul Koopmann die große Aufmerksamkeit, die Kerstin Wichmanns Comic-Debüt nach seinem Erscheinen auf sich gezogen hat. Überraschend deshalb, weil Wichmann sowohl in ihrer Erzählung als auch in deren Darstellungen eher behutsam vorgeht und bescheiden, ja die gesamte Aufmachung so ganz und gar nicht trendy daher kommt. Ihre Zeichnungen wirken skizzenhaft, blass und sind doch beeindruckend präzise, so Koopmann. Und ihre Erinnerungen sowie die noch interessanteren Hinterfragungen dieser Erinnerungen werden nicht zu einer "monumentalen Historie" zusammen geflickt. Besonders beeindruckt ist der Rezensent außerdem von den eindrücklichen Bildern, die Wichmann für schwer vermittelbare Inhalte findet, etwa für die Art und Weise, wie sich die "Alltagsgewalt" der Nazis in die Körper der Menschen, ihrer Väter, eingeschrieben hat. Hier, so der Rezensent, geht es offenbar nicht (nur) darum, eine Familiengeschichte spannend zu erzählen, sondern viel mehr darum, das Erinnern selbst zu reflektieren.
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