Seit der deutschen Wiedervereinigung hat ein neuer, in den USA entwickelter Bautyp seinen Siegeszug in Europa angetreten: die Shopping Mall. Zunächst als Einkaufszentrum im Umland angesiedelt, wanderte dieser Bautyp über die Randsiedlungen immer weiter in die Innenstädte und erobert nun die Stadtzentren. Kerstin Dörhöfer zeigt, wie sich die Stadtstrukturen dadurch wandeln: in historisch geprägten Gebieten kleinstädtischen Charakters - in innerstädtischen multifunktionalen Stadtquartieren des 19. Jahrhunderts - in peripheren Großsiedlungen der Nachkriegsjahrzehnte - in metropolitanen Cityarealen. Die Autorin untersucht, ob sich durch die Ausbreitung von Shopping Malls die unterschiedlichen Gebiete einander angleichen, ob Multifunktionalität und kulturelle Vielfalt verloren gehen und wie sich das »Einhausen« des Einzelhandels in große, monolithische Baukomplexe auf die Urbanität auswirkt. Sie überprüft diese Fragen am Beispiel von zehn Berliner Shopping Malls. Sie beschreibt deren städtebauliche Einbindung, Architektur und Innenraumgestaltung, um die Attraktivität dieser Einrichtungen für die BesucherInnen und den Wandel von Stadtstruktur und Stadtkultur zu ergründen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.05.2008
Ob sie mit den Thesen der Architektin Kerstin Dörhöfer, die die Auswirkungen verschiedener Berliner Einkaufszentren auf den städtischen Raum untersucht hat, einverstanden ist, verrät Rezensentin Ulla Fölsing nicht. Sie gibt lediglich die wesentlichen, aber nur bedingt überraschenden Beobachtungen der Autorin wieder: Dazu gehört, dass Shopping Malls Orte sind, die überwiegend von Frauen genutzt werden, aber trotzdem nicht die "Emanzipation fördern". Zudem verstärken sie laut Autorin den "ökonomischen Trend zur Konzentration", der dem Einzelhandel schade. Deshalb fordere Dörhöfer eine stärkere Verknüpfung der Zentren mit dem städtischen Raum, in dem sie sich befinden - durch eine "baukünstlerische Gestaltung des Äußeren."
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