Mit seinen Post- und Bahnhofsbauten prägte Angiolo Mazzoni (1894-1979) wesentlich die Architektur in Italien zur Zeit des Faschismus. Er modernisierte die italienische Infrastruktur systematisch und definierte dabei Ausdruck, Funktionalität und Typologie bedeutender öffentlicher Einrichtungen neu.
Katrin Albrecht untersucht das architektonische und städtebauliche Werk des Architekten, das seine undogmatische Entwurfshaltung, seine kontextbezogene Arbeitsweise und freie Handhabung von Motiven und Formen erkennen lässt. Dabei beleuchtet sie auch die künstlerischen und kulturpolitischen Hintergründe jener Zeit und gibt Einblick in die Funktionsweise eines faschistischen Staatsapparates.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2017
Michael Schrott liest die aus einer Dissertation hervorgegangene Monografie von Katrin Albrecht mit Gewinn. Aufschlussreich findet er Albrechts genaue und ausführliche Beschreibung der Arbeitsumstände des "Staatsarchitekten" Mazzoni und seiner Kollegen im faschistischen Italien. Die Menge der Fußnoten lässt Schrott zwar aufstöhnen, doch was Mazzoni zwischen italienischer Tradition und römischer Antike, Moderne und staatlicher Selbstinszenierung ausmachte, kann Albrecht ihm erklären. Mazzoni betreffend kommt Schrott zu dem Schluss, dass es "faschistische Architektur" bei solcher Gemengelage gar nicht geben konnte. Als Beleg und begleitend zur Lektüre empfiehlt Schrott den Besuch einiger von Mazzoni gebauter Postämter und Bahnhöfe in Agrigent, Palermo und Messina.
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