Aus dem Englischen von Christa E. Seibicke. An einem Sonntag wird Moser tot in seinem Bett aufgefunden. Neben dem 39jährigen findet sich ein leeres Aspirinfläschchen und ein Umschlag mit dem Namen seiner Frau: Vita. Philip, der engste Freund des Toten, beginnt Mosers Leben aus Einzelstücken zusammenzusetzen: die ungeklärte Herkunft aus einer jüdischen Arbeiterfamilie, sein Studium der Mikro- und Evolutionsbiologie, dem er sich bis zu seinem Tod mit fast zwanghaftem Eifer gewidmet hat, seine Freundschaft und Ehe mit der schönen, geheimnisvollen Vita, die bereits einige Jahre vor ihm starb. Während seiner Beschäftigung mit Mosers Leben stellt sich Philip immer häufiger die Frage: Was macht die Biographie eines Menschen wirklich aus?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.04.2001
Zuerst die Stärken des Buches. Mit dem Reichtum an atmosphärischen und thematischen Schichten, die Jörg Häntzschel in diesem Roman entdeckt, kommt der Autor gut zurecht, elegant und mühelos, wie Häntzschel es ausdrückt. Und das war's dann auch schon. Folgt die Skizze eines verunglückten Stoffes, vom Rezensenten mit Bedauern für uns aufgezeichnet: Was der Autor uns an Topoi zu bieten habe, schreibt er, ist hinlänglich bekannt, die Sprache voller Klischees (und dazu "hölzern" übersetzt) und der Held eine wenig überzeugende Figur - agierend zwischen "intellektuellem Höchstniveau" und großspuriger Phrasendrescherei.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.01.2001
Männerbündnisse hätten Konjunktur, meint Martin Krumbholz, und mittlerweile seien auch die älteren Jahrgänge von dieser modischen Welle erfasst. In Ovendens Roman ist das Bündnis enger gefasst: es handelt sich um eine Männerfreundschaft, zu zweit, angesiedelt im akademischen Milieu. Das Männerbündnis, so vermutet Krumbholz, bilde das Gegengewicht zur klassischen Familie, wo doch eigentlich die Frau die Zügel in der Hand halte. Beim Männerbündnis sei die Frau hingegen praktischerweise meist abwesend: jagt ihrer Karriere nach oder verstirbt einfach. Während die einen also ihr Leben leben, reflektieren die anderen dieses kenntnisreich in ihrem Bündnis, weshalb sie darüber ihr Leben verpassen, fasst Krumbholz etwas entnervt am Ende zusammen. Für ihn hätte die Geschichte ruhig etwas "weniger spleenig, eitel, akademisch" erzählt werden dürfen. Ein neuer "Doktor Faustus" der britischen Gegenwartsliteratur sei dabei nicht herausgekommen.
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