Katja Kettu

Wildauge

Roman
Cover: Wildauge
Galiani Verlag Berlin, Berlin 2014
ISBN 9783869710822
Gebunden, 416 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Finnischen von Angela Plöger. Lappland im Sommer 1944. Als Johannes Angelhurst ihr zum ersten Mal begegnet, ist sie gerade dabei, der Tochter des Schnapshändlers bei einer schweren Geburt zu helfen. Ihr Blick ist so frei und ungestüm fast wie der eines wilden Tieres. Sie ist die Hebamme von Petsamo. Die meisten Dorfbewohner finden sie seltsam und begegnen ihr mit zwiespältigen Gefühlen, weil sie zu viel über das Geheimnis von Leben und Tod weiß. Johannes ist deutscher Offizier, er soll als Fotograf die finnischen Verbündeten porträtieren. "Wildauge" so der Spitzname der Hebamme fühlt sich sofort zu dem schweigsamen Mann in seiner schwarzen Uniform hingezogen. Sie ist sich sicher: Er ist ihr Mann. Überallhin würde sie ihm folgen, so stark sind Bestimmung und Begehren. Und so lässt sie sich, als er in ein Kriegsgefangenenlager abkommandiert wird, dort als Krankenschwester einschleusen. Zwischen beiden entbrennt eine bedingungslose, wilde Leidenschaft. Doch im Lager passieren grauenvolle Dinge. Keiner darf in die Nähe des Kuhstalls, in den die weiblichen Gefangenen gebracht werden. Und Johannes, der den Auftrag bekommen hat, ein riesiges Bassin auszuheben, schüttet immer größere Mengen einer Droge in sich hinein, die ihn stumpf und brutal macht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.10.2014

Etwas speziell klingt, was Aldo Keel von diesem Roman der finnischen Autorin Katja Kettu berichtet. Kettu, schickt er vorweg, genießt in Finnland ebenso große Bewunderung wie Sofi Oksanen, und sie behandelt mit ihrem Weltkriegsroman ein Thema, das noch immer an den Finnen nagt. Denn ganz ausdiskutiert sei unter Historikern noch lange nicht, wie schmutzig der Krieg war, den die Finnen an der Seite der Deutschen führten, weiß der Rezensent. "Wildauge" erzählt von einer amour fou zwischen einer finnischen Hebamme und einem deutschen SS-Offizier, die gemeinsam ihrer Mordlust im Kriegsgefangenenlager Titowka frönen, aber auch selbst fruchtbaren Erniedrigungen ausgesetzt werden. "Brutal und poetisch zugleich" findet Keel das, und lässt sich auch den etwas derben Humor der Autorin gern gefallen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.09.2014

Nichts für zarte Seelen, meint Katharina Teutsch zu Katja Kettus "finnischem Weltkriegsroman". Heftig und deftig beschrieben ist laut Rezensentin allerdings weniger das, was der Krieg anrichtet, als jenes, was die Erzählerin, eine rollige Hebamme, 1944 mit geäderten Teutonenschwänzen in Lappland erlebt. "Süffig" findet Teutsch das immerhin. Liebhabern von lappländischem Natursex möchte sie es gar empfehlen. Wer mehr über den Fortsetzungskrieg zwischen Russland und Finnland erfahren will, räumt die Rezensentin ein, greife besser zu einem Geschichtsbuch.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.08.2014

In "Wildauge" erzählt Katja Kettu die Geschichte einer finnischen Hebamme und eines deutschen SS-Offiziers, die sich inmitten des Krieges verlieben, berichtet Christian Schneebeck. Die Verlobung wird statt mit Ringen mit einem Brandmal besiegelt, das sie sich mit einem glühenden Schürhaken einbrennen, worin der Rezensent ein passendes Bild für die Gleichzeitigkeit der Brutalität des Krieges und dem Versprechen der Liebe erkennt. Das Formgeplänkel mit fiktiver Herausgeberin und eingestreuten Briefen empfindet Schneebeck als unnötig und eher störend. Das Buch lebt von seiner rohen, ruppigen Sprache, die für mehr Authentizität sorgt als jedes erdichtete historische Material, findet der Rezensent.