Klappentext

Vom Wagnis, gesehen zu werden. Ein Roman über einen, der sich gegen den Wandel der Zeiten auflehnt und dabei ins Wanken gerät. Zwei Tage sind sie hinter Papier versteckt, dann werden die sieben großen Schaufenster feierlich enthüllt - und lassen die Waren des alteingesessenen Quatre Saisons in neuem Glanz erstrahlen. Für diese Momente lebt und arbeitet Schaufensterdekorateur Stettler, und das schon mehrere Jahrzehnte. Nun, mit knapp sechzig, wird ihm überraschend ein jüngerer Kollege zur Seite gestellt - ein Rivale, ein avisierter Nachfolger, ein Feind! Stettlers Welt beginnt zu bröckeln. Es ist das Jahr 1968, und es bröckelt auch sonst alles, die jungen Leute tragen Bluejeans und wissen nicht mehr, was sich gehört. Am Münsterturm hängt auf einmal eine Vietcong-Fahne. Stettler ist entsetzt. Immer mehr fühlt er sich bedroht, spioniert dem Rivalen sogar nach, sinnt auf Rache. Es ist auch ein zähes Ringen mit der Zeit und mit dem Alter, bei dem Stettler nur verlieren kann. Allein mit einer von ihm bewunderten Radiopianistin, Lotte Zerbst, wechselt er Briefe und fühlt sich nicht so verloren. Er hofft sogar auf eine Begegnung …

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.10.2019

Rezensentin Wiebke Porombka gratuliert Alain Claude Sulzer zu einem erstaunlich langweiligen Roman. Für die Rezensentin steht Sulzer seinem mausgrauen Protagonisten, einem pedantischen Schaufensterdekorateur, an Verklemmtheit in nichts nach. Wenn der Autor sexuelle Gelüste schildert, lässt er jedenfalls kein Klischee aus, meint sie, und Missbrauchsszenen kommen bei Sulzer "bestürzend verdruckst" daher, überdies, ohne dass dem weiblichen Opfer psychologische Tiefe zugestanden würde. Das Gegenteil von spektakulärer Literatur, findet Porombka.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 20.09.2019

Martin Grzimek stört sich kaum an der Verschrobenheit von Alain Claude Sulzers neuem Roman. Blumige Worte und die tragisch-groteske Figur eines schöngeistigen Berner Schaufensterdekorateurs, den die Ereignisse von '68 überfordern, schrecken ihn nicht.  Wenn Sulzer im Ästhetizismus seiner Figur schwelgt und ihm mit der Pianistin Lotte Zerbst eine zweite, ihm ähnelnde Hauptfigur zu Seite stellt, laut Grzimek wohl nicht zuletzt, um sein Lieblingsthema zu behandeln, die Musik, entdeckt der Rezensent bei allem Konservatismus des Erzählens auch etwas Überzeitliches, Parabelhaftes in der Geschichte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.09.2019

Martin Ebel scheint immer wieder verhalten zu gähnen bei seiner Besprechung von Alain Claude Sulzers neuem Roman. Die Patina des Helden, eines Berner Schaufensterdekorateurs mit Prinzipien kurz vor der Abservierung durch die neue Zeit, scheinen auch Sulzer und sein Stil angesetzt zu haben, findet Ebel. Lange Sätze, veraltete Wendungen und Klischees machen den Roman für Ebel nicht eben höllisch attraktiv. Dass er dennoch weitergelesen hat, liegt an Sulzers Perfektionismus, seiner tadellosen Einfühlung und seiner historischen Informiertheit. Ob der Stoff nicht viel besser zu einer Novelle gepasst hätte, fragt sich Ebel allerdings schon, zumal ihm die Parallelhandlung um eine dem Helden geistesverwandte Radiopianistin des "guten Alten" zu viel ist.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2019

Roman Bucheli taucht mit Alain Claude Sulzer ein in bewegte, gnadenlose Zeiten. Zurück ins Jahr 1968 führt ihn der Autor, zu zwei wenig spektakulären Figuren, einer Berliner Radiopianistin und einem Berner Schaufensterdekorateur, die von den Auf- und Umbrüchen der Zeit schlicht überrollt werden, wie der Autor laut Bucheli gewohnt unerschrocken gegenüber Klischees und Redensarten zu vermitteln weiß. Der Clou des Romans ist für den Rezensenten, wie Sulzer den Kippeffekt nutzt, wenn das Vertraute plötzlich fremd wird. Der Leser macht nämlich diese Erfahrung selbst, staunt Bucheli. Das genau ist Sulzers Kunst, findet er.