Karl Viktor von Bonstetten

Neue Schriften 1798-1802

Skandinavien, Landeskunde, Nationalbildung, Sprachen und Sagas, Idyllen
Peter Lang Verlag, Bern 1999
ISBN 9783906765266
Gebunden, 470 Seiten, 48,57 EUR

Klappentext

Der Doppelband NEUE SCHRIFTEN - der Titel ist original - begleitet Band VIII der Briefkorrespondenzen aus den Jahren von Bonstettens Exil in Dänemark (1798-1801). In diesen Jahren vollzieht Bonstetten den Wechsel von der politischen in die literarische Laufbahn. Man lernt ihn hier u.a. als einen der Promotoren der Skandinavistik und der Vergleichenden Sprachwissenschaft kennen. Alle seine Essays gelten jedoch letztlich der Entwicklung des Menschengeschlechts durch eine fortschrittliche Nationalbildung, deren Prinzipien und Verwirklichung er in seiner bisher bedeutendsten, den zweiten Teilband füllenden Schrift darlegt. Dem politischen und gesellschaftlichen Umbruch der Revolutionszeit antwortet der frühliberale Politiker mit den Forderungen einer Sozialpartnerschaft des Wissens und der éducation permanente, des lebenslangen Lernens. Von Interesse sind auch die beigegebenen Lektürenotizen Johannes von Müllers, worin sich die politischen Divergenzen der beiden Freunde artikulieren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.08.2000

Hanno Helbling fasst in einer Besprechung zwei zeitgleich erschienene und inhaltlich zusammengehörende Bücher zusammen, die Texte und Briefe Karl-Viktor Bonstettens enthalten, aber aus unterschiedlichen Lebensphasen datieren. Helbling spricht den Herausgebern beider Bände, Doris und Peter Walser-Wilhelm, großes Lob aus. Auf eine Einführung zur Person Bonstettens verzichtet der Rezensent.
1.) Karl Viktor von Bonstaetten: "Neue Schriften, 1798 - 1802" (Peter Lang Verlag)
Helbling weist darauf hin, dass die Texte dieses Bandes aus den Exiljahren Bonstettens in Dänemark stammen, wobei man sich bei ihm unter Exil nicht unbedingt eine entbehrungsreiche Zeit vorstellen müsse. Bonstetten ging es dort gut, er fand Asyl bei betuchten Freunden und setzte seine Betrachtungen über Nationalbildung und den geliebten Montesquieu fort, wie Helbling schreibt. Er erläutert, was Bonstetten mit Montesquieu verband und was er unter Nationalbildung verstand: die moderate Vorstellung einer Demokratie, zu der das Volk erzogen werden müsse. Stilistisch lägen die Schriften deutlich über den Korrespondenzen, urteilt Helbling, andererseits fehle ihnen die Bonstetten eigene sprachliche Diktion und Lebendigkeit, da seine eigentliche Stärke in der Konversation gelegen haben soll.
2.) "Bonstettiana". Hrsg. von Doris und Peter Walser-Wilhelm. Dritter Band: 1776 - 1780, in zwei Teilbänden. (Peter Lang Verlag)
In der dokumentarischen Hauptreihe sind diese beiden Teilbände mit den Korrespondenzen Bonstettens erschienen, die, wie Helbling erläutert, nicht nur die Briefe Bonstettens, sondern auch den schriftlichen Austausch seiner Briefpartner untereinander enthalten. Im Mittelpunkt jener Jahre stand der Briefwechsel mit Johannes von Müller, dem Schauffhauser Historiker, den Bonstetten als Historiker geschätzt, aber als Freund moralisch gefährdet gesehen habe. Dadurch, so interpretiert Helbling die Korrespondenz, hätte Bonstetten auch die eigene Person als gefährdet empfunden, und zwar in politischer Hinsicht und nicht völlig zu Unrecht, da die Aufklärung damals bei aller Biederkeit ihrer Befürworter in der Opposition gestanden habe.