Karl-Heinz Ott

Die Auferstehung

Roman
Cover: Die Auferstehung
Carl Hanser Verlag, München 2015
ISBN 9783446249097
Gebunden, 352 Seiten, 22,9 EUR

Klappentext

Joschi ist eigentlich Clochard, Jakob ist ein quirliger Fernsehmann, Uli Aussteiger irgendwo zwischen Karl Marx und verlottertem Mönch, und Linda, die Schwester, ist auch im Privatleben eine Macherin. Ihren Vater haben die vier kaum noch gesehen, seit der sein Testament dem "Schwein" übergeben hat und sich von der "ungarischen Hure" pflegen lässt. Jetzt ist er tot. Morgen früh wird das Testament eröffnet. Bis dahin muss das Erbe verteilt sein. Keiner verlässt das Haus. Karl-Heinz Ott erzählt mit großer Komik von dem, was eine Familie zusammenhält - und was sie auseinanderreißt. Verwandt fühlt sich keiner mehr, bis nach einer langen Nacht der Augenblick der Wahrheit kommt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.12.2015

Jörg Magenau freut sich über den Mangel an Sentimentalität in diesem Erbschleicherroman von Karl-Heinz Ott. Otts Familien- und Gesellschaftsporträt scheint ihm heilsam, schon weil die auftretenden Erben, die nach dem Tod des zuvor noch mal verjüngten Vaters zusammenkommen, sämtlich einen kreativen Hau haben und das auch gesagt bekommen. Einer teilt immer aus, meint Magenau zufrieden. Und so bleibt der kammerspielartige Roman, den sich der Rezensent als Stück wie als Sommerfilm vorstellen kann, trotz aller Neigung zum Klischee angenehm boshaft und (selbst-)kritisch, und nach anfänglichem Herumirren im Text sieht der Rezensent Figuren und Lebensgeschichten deutlich vor Augen und genießt die Dialoge.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.11.2015

Größtes Vergnügen hat Rezensent Martin Zingg dieser Roman von Karl-Heinz Ott bereitet. Leichenschmaus und Erbschleicherei, Familienbande und alte Wunden treten zutage in diesem Text, in dem der Autor laut Zingg sehr unterschiedliche Figuren auftreten lässt, um sie dann in einer Art Teilchenbeschleuniger in eine neue Konstellation zu bringen. Ideologien und Erinnerungen fliegen dem Rezensenten um die Ohren, aber angenehm, wie Zingg beteuert. Nicht zuletzt auch, da der Autor ein Bild der 60er und 70er Jahre zeichnet, mit scharfen Miniaturen und Dialogen und ironischen Szenen aufwartet und vor allem gut unterhält, wie Zingg erklärt.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.11.2015

Ijoma Mangold verbindet seine Besprechung von Karl-Heinz Otts neuem Roman "Die Auferstehung" mit einem Besuch bei dem Autor im Breisgau, plaudert mit ihm über das neue Werk und bildet sich danach sein Urteil: Komisch, bisweilen "makaber" sei das Buch, das den Kritiker an eine Familienaufstellung erinnert, bei der am Grab des Vaters die Post-68er-Kinder mit den kläglichen Resten ihrer Ideologien und Lebensentwürfen konfrontiert werden. Neben der Schilderung einstürzender Weltanschauungen liest Mangold eine Mentalitätsgeschichte von der frühen Bundesrepublik bis in die Gegenwart. Das scheint dem Rezensenten offenbar gefallen zu haben.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 24.10.2015

Claus-Ulrich Bielefeld hat sich gut unterhalten mit Karl-Heinz Otts schwarzhumorigem Familienroman. Wie bei einem Bühnenstück zwischen Molière und Yasmina Reza erscheinen ihm Otts Setting und Personal. Wenn vier streitsüchtige Kinder zum Erbantritt im väterlichen Haus aufkreuzen, fühlt sich Bielefeld an Boulevardkomödien erinnert, zumal der Autor seine Figuren durchaus als Stereotypen zeichnet, wie der Rezensent feststellt. In der Entfaltung der gut gemischten Lebensgeschichten entsteht laut Bielefeld allerdings ein Panorama der fünfziger bis siebziger Jahre in der deutschen Provinz. Zusammen mit den eingeflochtenen Debatten über Pascal und einem der Komik kontrastierenden Hang zur Tragik ergibt sich für den Rezensenten eine amüsante Lektüre.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2015

Karl-Heinz Otts Roman ist für Rezensentin Lena Bopp eine Sammlung von Personenporträts des Typs Altachtundsechziger, Familiengeschichte und Heimatroman in einem. Wie Ott sein Personal zeichnet, liebevoll, durchdringend, nicht demütigend und vor allem: für den Leser interessant, hat Bopp gut gefallen. Vom Ausgangspunkt einer Totenwache her entfaltet Ott laut Bopp nicht nur ein Erinnerungspuzzle mit viel Personal, ein familiäres Kraftfeld und Typologien, sondern auch die Donau-Landschaft um Ulm herum. Hinreißend komisch und temporeich kann das sein oder subtil scharfsinnig, meint Bopp, und an manchen Stellen, wo der Autor Sinn und Unsinn des Glaubens diskutiert, auch etwas anstrengend abstrakt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.09.2015

Die Lektüre von Karl-Heinz Otts neuestem Roman hat Martin Oehlen ganz offensichtlich großes Vergnügen bereitet; im Treffen von vier Geschwistern unmittelbar nach dem Tod ihres Vaters entdeckt der Rezensent ein vergnügliches "Schaulaufen der gescheiterten Existenzen". Mit seiner Geschichte um den nun entbrennenden Testamentsstreit habe Ott aus einem boulevardesken Stoff einen seriösen Roman gestrickt, lobt Oehlen. Der Autor schaffe es dabei hervorragend, seine Figuren zu demaskieren und ihr wahres Gesicht zum Vorschein zu bringen. Mal tue er das mit sanfter Ironie, so der Kritiker, an anderer Stelle gebe es Passagen, die "schreiend komisch" seien. Martin Oehlen mutmaßt schließlich, der Schriftsteller Ott müsse selbst großen Spaß am Schreiben seiner Dialoge gehabt haben.
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