Cynthia D'Aprix Sweeney

Das Nest

Roman
Cover: Das Nest
Klett-Cotta Verlag, Suttgart 2016
ISBN 9783608980004
Gebunden, 416 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Nicolai von Schweder-Schreiner. Als Kinder haben sie einander geneckt, als Erwachsene verbindet die Geschwister Melody, Jack, Beatrice und Leo Plumb nur noch eine gemeinsame Erbschaft. Mitten in der Finanzkrise brauchen alle dringend Geld. Melody, Hausfrau und Mutter, wachsen die Ausgaben für ihr Vorstadthäuschen und die Collegegebühren ihrer Töchter über den Kopf. Antiquitätenhändler Jack hat hinter dem Rücken seines Ehemanns das Sommerhaus verpfändet. Beatrice, erfolglose Schriftstellerin, will endlich ihr Apartment vergrößern. Doch kurz bevor das Erbe ausbezahlt wird, verwendet ihre Mutter es, um Playboy Leo aus einer Notlage zu helfen. Unfreiwillig wiedervereint, müssen die Geschwister sich mit altem Groll und falschen Gewissheiten auseinandersetzen. Aber vor allem müssen sie irgendwo frisches Geld auftreiben …

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.12.2016

Katharina Granzin lernt mit Cynthia D'Aprix Sweeneys Roman ein erstaunliches Debüt kennen. Den hohen Vorschuss war das Buch laut Granzin wert, auch wenn es mitunter allzu glatt konstruiert, der Handlungsaufbu allzu perfekt gedrechselt erscheint, wie die Rezensentin anmerkt. Dass dieses polierte Gerüst einen subversiven Unterton hat und die Erzählsprache schwungvoll und unprätenziös daherkommt, wie Granzin feststellt, macht den Text für die Rezensentin allerdings zu mehr als zu einem passablen Ergebnis eines Creative-Writing-Programms, das die Autorin nachweislich absolviert hat. Wie die späte Debütantin in wechselnder Perspektive ihren Mittelschichts-Figuren durch die Mühen des Brooklyner Alltags folgt, findet Granzin gut beobachtet. New York als Ansammlung unzähliger kleiner Paralleluniversen kann der Roman ihr mit großer erzählerischer Ironie nahebringen.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 05.11.2016

Rezensent Klaus Nüchtern widersteht dem Reiz, Cynthia D'Aprix Sweeneys Debütroman dafür zu verurteilen, dass die Autorin bereits im Vorfeld einen siebenstelligen Vorschuss erhalten hat. Auch, dass "Das Nest" glänzende Unterhaltung ist und auf jeder Seite geradezu nach Verfilmung schreit, kann der Kritiker Sweeney nicht ankreiden: Dafür ist das Buch einfach zu gut, versichert Nüchtern. In Sprache und Figurenzeichnung vielleicht nicht gerade kühn, aber mit umso mehr Witz, Biss und Plausibilität erzähle die Autorin von den Erbschaftsstreitigkeiten unter vier Geschwistern, lobt der Rezensent, der dieses Buch als "Feel-good-Roman" für die ganze Familie empfiehlt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.10.2016

Zunächst einmal hält Rezensent Sacha Verna fest: Cynthia D'Aprix Sweeny ist weder Jonathan Franzen noch Leo Tolstoi. Viel Unglück passiert zwar auch in diesem Debütroman, aber statt Selbstmord oder deprimierenden Zeit- und Gesellschaftsdiagnosen, gibt's nach all den Erbschaftsstreitigkeiten, Familientragödien und Armutsbekenntnissen zumindest ein Happy End, versichert der Kritiker. Dabei erzählt die Autorin witzig, "selbstsicher" und in pointierten Szenen von der gebildeten Mittelschicht New Yorks, lobt Verna, muss allerdings zugleich gestehen, dass Sweeneys "Universalanspruch" nicht aufgeht. Ein charmanter "New Yorker Neurosen-Roman" - nicht mehr, nicht weniger, schließt er.