Die wahre Geschichte der Germanen
Die faszinierende Lebenswelt der Germanen jenseits von Mythos und völkischer Ideologie

Propyläen Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783549100905
Kartoniert, 272 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Mit farbigen Abbildungen. Noch immer gelten die Germanen vielen als wilde Haudegen, die ihre Scholle nicht verließen. Erst seit relativ kurzer Zeit geben archäologische Funde Aufschluss über die tatsächliche Lebensweise der germanischen Stämme, vor allem über ihre erstaunliche Mobilität und den Alltag fernab der Schlachten. Die Archäologie befreit die Erzählung vom römischen Blick, der die Schriftquellen prägt. Sie erst macht all die Mythen und Ideologien sichtbar, die das Bild der Germanen jahrhundertelang verzerrten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.11.2025
Durchaus viel lernt Rezensent Thomas Ribi von Karl Banghard über die Geschichte der Germanen. Und das, obwohl diese Volksstämme keine schriftlichen Quellen hinterlassen haben, weshalb das vorliegende Buch nicht zuletzt eines über die Grenzen unseres Wissens über die Germanen ist. Was wir dennoch über die Germanen wissen, lernt Ribi von Banghard, stützt sich auf archäologische Erkenntnisse, wobei da die Sachlage keineswegs immer einfach ist, noch nicht einmal der genaue Schauplatz der Schlacht im Teutoburger Wald ist bekannt. Es gab, erfährt der Rezensent vom Autor, ein gewisses Gemeinschaftsgefühl der unterschiedlichen germanischen Stämme, dennoch agierten sie keineswegs einheitlich und waren auch nicht unbedingt besonders kriegerisch, vielmehr schlugen sie sich mit Sammeln und Landwirtschaft durch, einige Stämme waren auch mit den Römern verbündet. So entsteht, freut sich Risi, ein Bild der Germanen jenseits der Klischees.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.09.2025
Rezensent Uwe Ebbinghaus hebt hervor, dass Karl Banghard mit seinem neuen Werk bewusst "Gegenbilder" zu den tradierten Klischees der Germanen schaffen will. Statt Monumentalbauten oder Heldenepen stehen Alltag und archäologische Detailfunde im Mittelpunkt - von Totenverbrennungen bis zum Langhausbau. Dabei nutzt Banghard neueste Methoden wie Genanalysen und Archäobotanik und vermittelt nebenbei viel Wissen über die Römer, staunt der Kritiker. Sein Stil ist flott, manchmal überdreht: Kapitel enden mit Punchlines, es gibt Wortspiele wie "Varusgate", und an einer Stelle heißt es, Arminius hätte "eine aufs Maul" verteilt. Das macht die Lektüre kurzweilig, wirkt jedoch gelegentlich forciert, findet der Kritiker. An dem sehr undifferenzierten Titel des Buchs, ist der auf Differenzierung ausgelegte Banghard vermutlich nicht am Verlag vorbeigekommen, merkt Ebbinghaus außerdem an. Das Buch liefert dennoch eine anschauliche, bilderreiche Einführung - eher für geschichtsinteressierte Leser als für absolute Anfänger.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 03.07.2025
Rezensent Ronald Düker freut sich, dass Karl Banghard, der Leiter des Archäologischen Freilichtmuseums Oerlinghausen, mit einigen tradierten Mythen über die Germanen aufräumt: So gibt es wenig Beweise dafür, dass die Germanen einfach nur faule Fleischfresser waren, wie es Poseidonios oder Cäsar behaupteten. Doch auch die "urgeschichtlich-biologistische Herleitung von Volk und Reich", die die Nazis nutzten, entbehrt nahezu jeder Grundlage, lernen wir. Banghard zeigt anhand von weit verstreuten Siedlungsfunden, dass es wahrscheinlich gar nicht nur eine einzige Ethnie gab, sondern die Germanen mobil und weit verteilt waren, freut sich Düker darüber, dass der Autor völkischen Vereinnahmungen etwas entgegenzusetzen hat.