Karen Duve

Fräulein Nettes kurzer Sommer

Roman
Cover: Fräulein Nettes kurzer Sommer
Galiani Verlag Berlin, Berlin 2018
ISBN 9783869711386
Gebunden, 592 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Fräulein Nette ist eine Nervensäge! Dreiundzwanzig Jahre alt, heftig, störrisch und vorlaut, ist sie das schwarze Schaf, das nicht in die Herde ihrer adligen Verwandten passen will. Während ihre Tanten und Cousinen brav am Kamin sitzen und sticken, zieht sie mit einem Berghammer bewaffnet in die Mergelgruben, um nach Mineralien zu stöbern. Die Säume ihrer Kleider sind im Grunde immer verschmutzt! Das Schlimmste aber ist ihre scharfe Zunge. Wenn die Künstlerfreunde ihres Onkels August nach Bökerhof kommen, über Kunst und Politik sprechen, mischt sie sich ungefragt ein. Wilhelm Grimm bekommt bereits Panik, wenn er sie nur sieht. Ein Enfant terrible ist sie, wohl aber nicht für alle. Heinrich Straube, genialischer Mittelpunkt der Göttinger Poetengilde, fühlt sich jedenfalls sehr hingezogen zu der Nichte seines besten Freundes. Seine Annäherungsversuche im Treibhaus der Familie bleiben durchaus nicht unerwidert. Allerdings ist er nicht der einzige.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.01.2019

Rezensent Burkhard Müller gefällt Karen Duves Idee,  Annette von Droste-Hülshoff zur Hauptfigur ihres ihm zufolge gut recherchierten Romans zu machen, ist die Lyrikerin doch eine der wichtigsten Figuren der deutschen Literaturgeschichte. Zudem haben dem Kritiker der Ton, den Duve wählt, um, wie er findet, "ohne Altertümelei und ohne Anbiederung an die Gegenwart" ein authentisches Bild vom Leben zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstehen zu lassen, und die seiner Meinung nach liebevoll ausgestalteten Figuren gut gefallen. Was er allerdings bemängelt, ist, dass Droste-Hülshoff hier nicht als die begnadete Autorin in Erscheinung tritt, die sie für ihn ist, sondern hauptsächlich als Opfer der Frauendiskriminierung ihrer Zeit erscheint.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.11.2018

Monika Gemmer ist der Meinung, dass Karen Duve mit der Lebensgeschichte von Annette von Droste-Hülshoff einen dankbaren Romanstoff gefunden hat. Die verbotene Liebe der Dichterin zu Heinrich Straube in Zeiten des gesellschaftlichen Umbruchs, den Skandal und die literarische Karriere hat die Autorin laut Gemmer allerdings auch geschickt zu einem historischen Roman verarbeitet, indem sie sich auf Briefe und andere historische Quellen stützt. Kenntnisreich schildert Duve eine ganze Epoche, meint Gemmer, und trifft sprachlich den richtigen Ton zwischen Zeitduktus und Verständlichkeit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.10.2018

Rezensentin Frauke Meyer-Gosau ist hin und weg: Karen Duve hat einen Roman geschrieben über die Zurichtung der Annette Droste-Hülshoff im frauenfeindlichen Biedermeier, der höchst vergnüglich zu lesen ist. Dass ihre Sympathie dabei ganz auf der Seite der Dichterin ist, versteht sich. Mit Witz und scharfem Blick zeichnet Duve laut Rezensentin das Milieu der Droste-Hülshoff: kleine Adlige, deren studentische Nachkommenschaft nach dem Fall Napoleons die Sau rauslässt, ein weibliches Umfeld, dass den lebhaften, neugierigen Kuckuck in seiner Mitte zur Not mit männlicher Hilfe klein hält - und die Brüder Grimm als "ängstliche Stubenhocker" mittendrin. Zur Karikatur wird trotzdem niemand gemacht, versichert Meyer-Gosau, nur dem virtuos "komödiantischen Blick" der Autorin entkommt keiner. Dass die Droste-Hülshoff sich nicht kleinkriegen ließ, kann sie dennoch am Ende kaum glauben. Aber so war's.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.10.2018

Rezensentin Katharina Granzin ist begeistert: Dieser Roman über rund ein Jahr im Leben der Annette von Droste-Hülshoff hat ihr die Dichterin und ihre Zeit nahebracht, ohne zu tümeln. Mit vielen Details erzählt Karen Duve vom Leben der Droste-Hülshoffs - von der Familie, dem beschwerlichen Reisen damals oder den Handarbeiten. Aber auch von der ersten Liebe der Droste, die durch eine niederträchtige Familienintrige hintertrieben wurde (der junge Mann war ein Bürgerlicher), und von ihrem Ringen um Anerkennung als Schriftstellerin. Das ganze frühe 19. Jahrhundert wird der Rezensentin so nahe gebracht. Aber das beste daran: Duve erzählt ihre Geschichte ganz im Ton von heute, mit "amüsierter Ironie".  Das schließt eine falsche Identifizierung der Leser mit der Heldin aus, aber lässt doch Raum für Empörung über die monströs ungerechte Behandlung der Dichterin, erkennt Granzin, die das "erstaunlich kurzweilige" Buch voller Anteilnahme gelesen hat. Kleinere Mängel übersieht sie da gern.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2018

Rezensentin Andrea Diener kann sich die Verhältnisse um die junge Annette von Droste-Hülshoff gut vorstellen beim Lesen von Karen Duves Romanporträt, das Kämpfen um Anerkennung, das ritualisierte Dasein, das Studentenleben in Göttingen, das Unerbittliche der Intrigen. All das bietet ihr die Autorin in einem genau recherchierten Gesellschaftsporträt angenehm beiläufig, ohne Bildungshuberei dar. Allein die Lektüre und das Schreiben der Protagonistin bleiben etwas blass, ausgerechnet, kritisiert Diener.
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