Kare Olsen

Vater: Deutscher

Das Schicksal der norwegischen Lebensbornkinder und ihrer Mütter von 1940 bis heute
Cover: Vater: Deutscher
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2002
ISBN 9783593370026
Gebunden, 398 Seiten, 34,90 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Ebba Drolshagen. Die norwegischen Mütter der Kinder wurden als "Tyskertos" (Deutschenflittchen) beschimpft, für ihre Kinder wurden von der SS "zur Erhaltung wertvollen germanischen Erbguts" Heime des Vereins Lebensborn gebaut. Nach dem Krieg wurden Tausende dieser Frauen als Objekte des Hasses in Lagern interniert, die Kinder zwangsweise in Pflegefamilien oder in Heimen für Schwererziehbare, Geistesgestörte und Behinderte untergebracht. Doch mit ihrer Rolle als Ausgestoßene wollen sich die einstigen Lebensborn-Zöglinge heute nicht mehr abfinden und fordern Wiedergutmachung für ihr zerstörtes Leben. Kare Olsen hat die Akten vieler Lebensbornkinder ausgewertet und Licht in ein vergessenes Kapitel deutscher Kriegsgeschichte gebracht. Er schildert das Schicksal von Menschen, für die der Krieg bis heute nicht vorüber ist, weil sie einen Deutschen liebten oder einen deutschen Vater haben.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.11.2002

Der norwegische Historiker Kare Olsen "weiß, wovon er schreibt", meint Ingrid Müller-Münch, denn über viele Jahre war er im Reichsarchiv Oslo für Recherchen von sogenannten "Tyskerbarn", der "Deutschenkinder", zuständig, berichtet die Rezensentin. Die waren während der deutschen Besatzungszeit zwischen 1940 und 1945 aus Beziehungen zwischen Deutschen und Norwegerinnen hervorgegangen und meist in einem der zehn "Lebensborn"-Heime, die die Deutschen für diese besonders "arischen" Kinder und ihre Mütter errichtet hatten, geboren worden. Leicht hatten es die Mütter dieser Kinder nicht, so Müller-Münch, denn die Norweger nahmen diesen Frauen ihre Liaisons mit den Deutschen äußerst übel. Die "umfassend recherchierte" Studie Olsens gebe einen Einblick, wieviel Scham und Schmach diese Kinder sich vor allem nach 1945 unterziehen mussten. Interessant sei diese Untersuchung auch, nimmt Müller-Münch an, für die Betroffenen selbst, denn viele von ihnen haben inzwischen den norwegischen Staat wegen erlittener Diskriminierungen und Misshandlungen ihrer Mütter auf Schadensersatz verklagt. Das Buch sei dafür ein eindrücklicher Beleg, wie auch der autobiografische Bericht "Das endlose Jahr" von Gisela Heidenreich, den die Rezensentin in ihrer Besprechung gleichermaßen positiv würdigt.

Beliebte Bücher

Robert Seethaler. Die Straße - Roman . Claassen Verlag, Berlin, 2026.Robert Seethaler: Die Straße
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in…
Ben Lerner. Transkription - Roman. Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Ben Lerner: Transkription
Aus dem amerikanischen Englisch von Nikolaus Stingl. Er reist an die US-amerikanische Ostküste, um das letzte Interview mit seinem neunzigjährigen Mentor Thomas zu führen,…
Lukas Rietzschel. Sanditz - Roman . dtv, München, 2026.Lukas Rietzschel: Sanditz
Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,…
Karl Ove Knausgard. Arendal - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Karl Ove Knausgard: Arendal
Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer…