Der Einmarsch der NATO-geführten KFOR-Truppen stellte für die Kosovo-Albaner eine Befreiung dar, die sich bald in einer sprunghaft ansteigenden Bautätigkeit ausdrückte. Prishtina verdoppelte in kürzester Zeit seine Einwohnerzahl durch Zuzug vom Land, aber auch durch die Repatriierung von Flüchtlingen. Dadurch entstand ein erhöhter Wohnraumbedarf, den einheimische Investoren als Chance sehen, schnell Gewinne zu erzielen. Daneben finden sich große Einfamilienhäuser, die im Familienverbund am Rand der Stadt errichtet werden. "Prishtina is everywhere" verweist als Titel nicht nur darauf, dass diese Form der Stadtentwicklung prototypisch ist für Nachkonflikt-Situationen, sondern spielt auch darauf an, dass die Bautätigkeit in Prishtina wesentlich durch die Überweisungen der im Ausland legal oder illegal arbeitenden Familienmitglieder finanziert wird. Alleine in Deutschland, der Schweiz und Österreich lebt ein Fünftel derGesamtbevölkerung des Kosovo.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 16.04.2009
Der vom Berliner Künstler und Publizisten Kai Vöckler herausgegebene Band, der die städtebauliche Entwicklung im Kosovo am Beispiel von Prishtina seit Ende des Sozialismus dokumentiert, hat Christian Welzbacher ziemlich schockiert. Die Einführung des Kapitalismus lässt sich am augenfälligsten an der völlig schrankenlosen legalen und illegalen Bautätigkeit ablesen, die überall im Land zu einer erschreckenden "Uniformität des Chaotischen" führt, entnimmt der Rezensent diesem Band. Der Herausgeber habe eine NGO zur Eindämmung und Kanalisierung des schrankenlosen Bauens gegründet, deren Arbeit er im vorliegenden Band dokumentiert, teilt Welzbach mit. Davon allerdings ist in dieser Rezension nicht viel mehr zu lesen, als dass Vöckler einen Fernsehkoch dazu gebracht hat, seine Sendung dem Projekt zu widmen.
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