Junichiro Tanizaki

Tagebuch eines alten Narren

Roman
Cover: Tagebuch eines alten Narren
Manesse Verlag, Zürich 2015
ISBN 9783717540892
Gebunden, 256 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Aus dem Japanischen von Oscar Benl. Mit einem Nachwort von Eduard Klopfenstein. Utsugi Tokusuke blickt auf ein ausgefülltes Leben zurück - Wohlstand, eine fürsorgliche Familie, vielfältiger Kunstgenuss. Doch als sein Körper ihn im Stich lässt, reiten ihn mehr und mehr seine sexuellen Obsessionen. Bestechend modern inszeniert Tanizaki Jun'ichirō die radikale Beichte eines 'perversen' alten Mannes. Angestachelt von seiner Schwiegertochter, verfällt Tokusuke nochmals lustvollen Neigungen. Je dreister sich Satsuko geriert, desto größer das Vergnügen des großbürgerlichen Patriarchen. Soll sich die restliche Familie ruhig empören: Mit sündhaft teuren Geschenken erkauft sich der Alte die libidinösen Gunstbeweise der ehemaligen Revuetänzerin. Als er Satsuko auch noch auf seinem Grabstein verewigen will, scheint die Situation zu kippen. Ist die junge Frau wirklich das egoistische und zugleich honigsüße Biest, das der greise Tokusuke in seinem Tagebuch beschreibt?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.03.2016

"Tagebuch eines alten Narren" war Junichiro Tanizakis letzter Roman, bevor er 1965 starb. Für den Rezensenten Leopold Federmair liest er sich wie eine Parodie auf Tanizakis berühmtesten Roman, "Die Schwestern Makioka". Auch hier spielt ein Familienoberhaupt die Hauptrolle, doch ist der Patriarch inzwischen alt geworden. Begierden hat er immer noch, die schöne Schwiegertochter steht ihm gegen Geschenke dafür zur Verfügung. Wie der alte Mann seinen Lebenswillen behauptet, zu dem am Ende offenbar auch gehört, den richtigen Moment für den Abgang zu erkennen, hat Federmair gut gefallen. Zumal die "heitere Resignation", die den Roman durchzieht, den Figuren großen Spielraum gibt, so der Rezensent. Den Lesegenuss trübte die Übersetzung, die Federmair streckenweise "etwas verstaubt" findet. Doch hofft er inständig auf weitere Veröffentlichungen aus dem in Deutschland zum Teil noch ungeborgenen Tanizaki-Schatz.
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