Julya Rabinowich

Krötenliebe

Roman
Cover: Krötenliebe
Deuticke Verlag, Wien 2016
ISBN 9783552063235
Gebunden, 192 Seiten, 15,99 EUR

Klappentext

Alma Mahler, die "femme fatale", die den Verlust ihres Vaters mit einer unüberschaubaren Zahl von Liebhabern aufzuwiegen versucht, Paul Kammerer, der umstrittene Vater der Epigenetik, der das Geheimnis um seine Kröten-Experimente mit ins Grab nimmt, und Oskar Kokoschka, das "enfant terrible" der Wiener Kunst im frühen 20. Jahrhundert, der seinem Liebeskummer mit mehr als unzulänglichen Mitteln beizukommen versucht: die Protagonisten eines skurrilen Ringelspieles. Julya Rabinowich geht der Sehnsucht nach, in der diese drei miteinander verbunden sind. Ein faszinierender Remix historischer Skandale und Begebenheiten zwischen Venedig, Dresden und Wien im Österreich der Jahrhundertwende.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.07.2016

Hymnisch bespricht Daniela Strigl Julya Rabinowichs Roman "Krötenliebe". Die Liste der Liebschaften Alma Mahler-Werfels ist ebenso bekannt wie das Bild der "männermordenden Muse" verfestigt, erklärt die Kritikerin und doch gelinge es der Autorin, neue Facetten hinzuzufügen, staunt Strigl: Sie lernt Alma hier vor allem als "gehetzte, schutzbedürftige" Frau kennen, die auf ihren Vater, den Landschaftsmaler Emil Jakob Schinkel fixiert ist. Mehr noch: Rabinowich vermag nicht nur, die Amour fou zwischen Mahler-Werfel und Kokoschka in aller Offenheit und mit viel Lust am intimen und "anekdotischen Detail" zu erzählen, sondern vor allem Almas weniger bekannte, höchst eigenartige Beziehung zu dem Zoologen Paul Kammerer zu beleuchten. Zwar klärt Rabinowich nicht das "Kriminalrätsel" um Kammerer, der Selbstmord beging, nachdem seine Frosch- und Krötenversuche als Betrug entlarvt wurden; wie Mahler-Werfel sich allerdings vom "Faszinosum des Abstoßenden" angezogen fühlt, liest Strigl mit Sympathie und Vergnügen. Und so kann sie diesen kenntnisreichen, atmossphärischen, ebenso einfühlsamen wie ironischen Roman nur unbedingt empfehlen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.05.2016

Mit diesem sprachlichen und bildlichen Meisterwerk ist die Autorin, Malerin, Publizistin und Dramatikerin Julya Rabinowich auf der Höhe ihres Schaffens angelangt, verspricht Rezensentin Cathrin Kahlweit. Kunstvoll, poetisch und biografisch eröffne die Autorin einen ganz neuen Blick auf Alma Mahler, indem sie Bekanntes mit Möglichem verknüpfe, fährt die Kritikerin fort, die hier zwar die kalte, narzisstische, verstörte, kokette, schließlich fette und alkoholsüchtige Alma erlebt, vor allem aber ganz neue, empathische Einblicke in die Beziehung zu Oskar Kokoschka und Paul Kammerer erhält. Allein wie würdevoll Rabinowich die zwischen "Eros und Ekel" schwingende Beziehung zu Kokoschka beschreibt, der eine lebensgroße Stoffpuppe von Mahler nachbauen ließ, ringt der Rezensentin höchste Anerkennung ab. Fasziniert liest die Kritikerin auch, wie die Autorin die Obsession des Biologen Paul Kammerers schildert. Insbesondere aber bewundert Kahlweit, wie Rabinowich mit Kenntnis der einschlägigen Literatur und der Tagebücher Alma Mahler-Werfels ein ganz eigenes Porträt Almas suggeriert.

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