Ein semi-autobiografischer Roman, der an der Cote D'Azur der 30er Jahre spielt. Julius Meier-Graefe lebte mit seiner Frau Annemarie in Saint Cyr-sur-Mer, in einem Haus, das im Volksmund "Das Schloss" heißt. Der Ich-Erzähler mietet es vom örtlichen Großgrundbesitzer und Kulturmäzen Grosjean. Nun lebt das deutsche Paar im Städtchen, zusammen mit Pastis trinkenden, Boule spielenden und philosophierenden Honoratioren, Bauern und Handwerkern, mit Pferden und Katzen, Dorffesten, Hochzeiten und Begräbnissen. Bald aber kommen Künstler aus Deutschland; Schriftsteller, Musiker und Maler auf der Flucht vor dem neuen Regime. Unter ihnen ist eine junge Bildhauerin, die eine Affäre mit Grosjean anfängt und damit das ganze Dorfleben durcheinander bringt - dem Ich-Erzähler, der daran nicht unschuldig ist, fällt es nun zu, dies wieder in Ordnung zu bringen. Dieses ironische Sittengemälde des ländlichen Südfrankreichs wird hier zum ersten Mal veröffentlicht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.12.2022
Mit bemerkenswerter Fairness führt Rezensent Jan Nicolaisen diesen letzten Roman des Kunstkritikers und Schriftstellers Julius Meier-Graefe von 1935 ein, der von seinem Exil im südfranzösischen Saint-Cyr-sur-Mer erzählt. Meier-Graefe war kein gefälliger Zeitgenosse, weiß Nicolaisen, deutschen Konservativen hatte er sich mit seiner Liebe für die französischen Impressionisten suspekt gemacht, den Franzosen mit seinem deutschen Patriotismus und seiner Kunstemphase. Und dass Meier-Grafe noch in den dreißiger Jahren gegen all den "Zeitungsblödsinn" die Freiheit stellte, die politische Gegenwart zu ignorieren, dürfte den Autor bei den anderen Exilanten an der Riviera nicht sehr beliebt gemacht haben, ahnt Nicolaisen. Der Roman ist durchdrungen von der Suche nach Schönheit, stellt der Rezensent schließlich fest, nur wie sich der von ihm bemerkte "schnoddrige, betont lakonische" Tonfall damit verträgt, verrät er nicht.
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