Julius K. Nyerere

Reden und Schriften aus drei Jahrzehnten

Horlemann Verlag, Bad Honnef 2001
ISBN 9783895021305
Kartoniert, 174 Seiten, 14,32 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Asit Datta. Mit der Unabhängigkeit des "kleinen" ostafrikanischen Landes Tanganyika im Jahr 1961 wurde der gewaltlose Freiheitskämpfer schlagartig weltbekannt: Julius K. Nyerere. Drei Jahre später gelang es ihm, das Land mit der Insel Sansibar zusammenzufügen und den neuen Staat Tansania zu bilden. In den 60er und 70er Jahren scheiden sich die Geister im Westen an Nyerere. Dies lag daran, dass Nyerere so mutig war zu versuchen, aus unzähligen Stammesgesellschaften eine einheitliche Nation zu bilden und dafür den Begriff "afrikanischer Sozialismus" einzuführen. Doch der Begriff "Sozialismus" war zu negativ besetzt; in den Zeiten der Hallstein-Doktrin und der Ost-West-Konfrontation scheiterten alle Versuche Nyereres, die eigentliche Bedeutung des von ihm kreierten Begriffs zu diskutieren. Man weigerte sich im Westen, die feinen Unterschiede überhaupt wahrzunehmen. Nyerere, einer der herausragenden Politiker des 20. Jahrhunderts, war in der Lage, nicht nur seine Reden selbst zu schreiben, sondern auch seine Vision und seine politischen Ziele theoretisch zu begründen...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.06.2001

Wohlwollend und interessiert rezensiert Detlef Horster diesen Band, der Reden und Schriften aus einer langen Zeitspanne im Leben des einstigen tansanischen Staatspräsidenten versammelt. Thematischer Leitfaden der Texte sei das Konzept des afrikanischen Sozialismus, erläutert Horster. Der europäische Sozialismus sei aus der Agrarrevolution und der Industriellen Revolution hervorgegangen und darum immer als Reaktion auf den Kapitalismus zu verstehen; in Afrika hingegen sei mit Sozialismus die Rückkehr "zur Einstellung der Afrikaner" vor der Kolonialisierung gemeint. An dieser politischen Aufgabe ist Nyerere nach Aussage von Horster gescheitert, dennoch habe der Politiker allein in den 23 Jahren seiner Regentschaft enorm viel bewegt. Horster liefert viele Daten zum Wirken des tansanischen Präsidenten. Er erwähnt das letzte Interview des 1999 verstorbenen Nyerere, das in diesem Band Platz gefunden hat. Das Konzept des europäischen Sozialismus sei jedenfalls nicht auf Afrika übertragbar, lautet die Schlussfolgerung des Rezensenten.
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