Er war die Stimme der Überlebenden im Land der Täter: Vor einhundert Jahren, am 28. November 1912, wurde Heinz Galinski geboren. Nachdem er Auschwitz und Bergen-Belsen überstanden hatte, baute er nach dem Krieg die Jüdische Gemeinde Berlins wieder auf, deren Vorsitzender er 43 Jahre lang war. Meinungsstark bezog er Stellung zur Tagespolitik und setzte sich dafür ein, dass das Unrecht, das den Juden unter der NS-Herrschaft geschehen war, nicht in Vergessenheit geriet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.04.2013
Rezensent Daniel Koerfer hat Juliane Berndts Buch über Heinz Galinski mit Gewinn gelesen. Die junge Journalistin zeichne hier Stationen seines Lebens nach, versammle seine wichtigsten Reden und lasse Weggefährten wie Klaus Schütz, Eberhard Diepgen oder Wolfgang Schäube zu Wort kommen, informiert der Kritiker. Etwas zu kurz kommt ihm dabei der Leidensweg Galinskis, der Frau und Eltern auf dem Weg nach und in Auschwitz verlor und selbst in Auschwitz, Bergen-Belsen und Buchenwald das ganze nationalsozialistische Grauen miterlebte. Mit großem Interesse und Bewunderung liest Koerfer, wie Galinski als Wiederbegründer jüdischen Lebens in Deutschland nach 1945 stets "glasklar und eiskalt" argumentierend gegen den Antisemitismus kämpfte, etwa wenn er die lasche Verfolgung von KZ-Ärzten anprangerte oder sich für eine wirksames Bundesentschädigungsgesetz einsetzte. Entsetzt erfährt der Rezensent, wie häufig Galinski das Ziel von Attentatsversuchen gewesen ist. Nach der Lektüre hat der Koerfer das Gefühl, den Kern dieses Mannes ein wenig besser fassen zu können.
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