Leibniz als zukunftsorientierter Chef des Hauses war sein Vorbild. Von 1950 bis 1968 leitete Erhart Kästner die Herzog August Bibliothek. Als mutiger Bauherr und kühner Finanzjongleur trat er in die Fußstapfen seines erfolgreichen Amtsvorgängers. Er ergänzte die berühmte Quellensammlung zur europäischen Geistesgeschichte um eine Sammlung von Malerbüchern der klassischen Moderne und übersetzte damit die bibliophile Tradition der Sammlung in die Gegenwart. Er startete die Neukatalogisierung der zum großen Teil noch unerschlossenen historischen Bestände und ertüchtigte die Bibliothek damit, die ihr gemäße Rolle als Forschungseinrichtung überhaupt wahrnehmen zu können. Es war ein für den heutigen Besucher nur noch schwer nachvollziehbar mühevolles und oft frustrierendes Unternehmen, die Vorstellungen von der Herzog August Bibliothek als "Bibliotheca illustris" in der Kultusbürokratie durchzusetzen und öffentliche Aufmerksamkeit auf die Entwicklungsmöglichkeiten der Institution zu lenken.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.07.2009
Eine glänzend geschriebene Biografie über einen besonderen Dickschädel hat der hier rezensierende Direktor der Weimarer Anna-Amalia-Bibliothek, Michael Knoche, da gelesen. Julia Hiller von Gärtringen beschreibt Erhart Kästner darin als einen unerschrockenen Streiter für die "schöne Bibliothek". So weltfern Knoche dieser Schöngeist auch vorkommt, der die Wolfenbüttler Bibliothek aus der Nachkriegsmisere innerhalb von 18 Jahren immerhin zur ersten geisteswissenschaftlichen Forschungsbibliothek im Land (samt erster Werkstatt für Buchrestauration) herausgeputzt hat. So angenehm erscheint ihm die Vorstellung von einer Bibliotheca illustris ohne Anschluss ans World Wide Web.
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