Ingo Eser

Volk, Staat, Gott!

Die deutsche Minderheit in Polen und ihr Schulwesen 1918-1939
Cover: Volk, Staat, Gott!
Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2010
ISBN 9783447062336
Gebunden, 771 Seiten, 59,00 EUR

Klappentext

Mit vier Karten und sechs Diagrammen. War die deutsche Minderheit in Polen zwischen den Kriegen in erster Linie ein Instrument reichsdeutscher Außenpolitik und gegenüber dem polnischen Staat stets illoyal? Verfolgten die polnischen Behörden eine restriktive Politik mit dem Ziel der Entdeutschung des Landes? Beide Fragen wurden allzu häufig bejaht, wurde doch die Geschichte der deutschen Minderheit in Polen bislang meist von ihrem Ende her gedacht - aus der Perspektive von Krieg, Besatzung und anschließender Vertreibung.
Das Schulwesen der Zwischenkriegszeit bietet die Möglichkeit, diese verengte Sichtweise zu durchbrechen und das Beziehungsdreieck Polen deutsche Minderheit Deutsches Reich in neuem Licht zu sehen. Das Bildungswesen stellte dabei eines der Kernprobleme der Minderheitenpolitik dar: Der Staat sah in der Schule ein Mittel, um sich der Loyalität seiner Jugend zu vergewissern, die Minderheit eine Institution, um ihre Sprache und Kultur zu pflegen. Deutsche Pädagogen formulierten wiederholt den Anspruch, Treue zum Volkstum und Loyalität gegenüber dem Staat in Einklang bringen zu wollen. Dennoch blieb die Rolle der deutschen Schulen eine zwiespältige: Einerseits waren sie Ort der ethnisch-nationalen Selbstvergewisserung und ideologischen Einflussnahme, andererseits waren sie eine Anpassungsschleuse , die die Eingewöhnung in den polnischen Staat erleichterte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.06.2011

Laut Jörg Baberowski sollen Bücher den Leser klüger machen. Dieses hier erfüllt seiner Meinung nach den hohen Anspruch, indem es über die deutsche Minderheit in Polen und ihr Schulwesen berichtet. Was dem Rezensenten zunächst wenig spannend und sehr speziell erscheint, entpuppt sich als Geschichte von gesamteuropäischer Bedeutung. Schließlich, so Baberowski, gab es in der Zwischenkriegszeit überall in Europa Integrationsprogramme für Minderheiten. Die deutsche Minderheit in Polen, das erkennt er zusammen mit dem Autor allerdings auch, wurde in Polen zum inneren Feind, zum Spielball gleich zweier nationalistischer Wahnvorstellungen, derjenigen Hitlers und derjenigen des autoritär regierten Polens. Wieder was gelernt.
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