Mit 12 Abbildungen. "Wer Kiew hat, kann Russland zwingen", prophezeite ein bekannter deutscher Publizist mit Blick auf die Ostfront des Ersten Weltkriegs. Zum Überfall auf die Sowjetunion 1941 versprach die deutsche Propaganda der ukrainischen Bevölkerung "eine glückliche Zukunft unter deutschem Schutz". Deutsch-ukrainische Beziehungen zwischen 1914 und 1945 funktionierten nach einem immer wieder durchgespielten Schema. Dazu gehörte, dass sich die deutsche Politik in beiden Kriegen ukrainische nationale Strömungen für die eigenen Ziele nutzbar machte und machen konnte. Den Zielen und Methoden deutscher Ukrainepolitik stand nämlich eine ukrainische Nationalbewegung gegenüber, die sich von der Zusammenarbeit mit Deutschland als Gegner Russlands bzw. der Sowjetunion die Verwirklichung der eigenen nationalen Ziele erhoffte. Der Osteuropahistoriker Frank Grelka schreibt deutsche Besatzungsgeschichte in der Ukraine aus der Perspektive einheimischer Bestrebungen neu. Durch den vergleichenden Blick auf beide deutsche Vormärsche durch die Ukraine innerhalb einer Generation erscheint nicht zuletzt die Monumentalisierung des sogenannten Ostkriegs durch die neueste Forschung in einem anderen Licht. Frank Grelkas Buch über das Scheitern der ukrainischen Nationalbewegung ist eine erschütternde Geschichte über Selbstüberschätzung und Fanatismus, über Kooperation und Illusion, aber sie erzählt auch von erstaunlichen Kontinuitäten deutscher Besatzungspolitik vom Ersten zum Zweiten Weltkrieg.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.04.2006
Als "wichtige Arbeit", die helfen könnte, eine Brücke der Verständigung zwischen Deutschland und der Ukraine zu schlagen, lobt Rezensent Rolf Dieter Müller diese Studie des Osteuropahistorikers Frank Grelka. Im ersten Teil gebe Grelka eine Übersicht über die Aktualität der ukrainischen Frage im Rahmen der Russischen Revolution. Im zweiten Teil fand der Rezensent die Versuche ukrainischer Nationalisten analysiert, unter deutscher Oberherrschaft eigene Machtzentren zu schaffen. Müller lobt die anspruchsvolle "diachronische" Darstellung, der diese Studie, trotz einiger Schwächen bei der Stringenz der Argumentation, ihre Qualität verdankt.
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